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Text von Montag, 13. März 2006

> p o l i t i k<
  
 Willi wählen: Umbenennung platzt in Wahlkampf 
 Marburg * (anm)
Nach 100 Jahren soll der Wilhelmsplatz seinen Namen verlieren. Oberbürgermeister Egon Vaupel und stadtverortneten Vorsteher Heinrich Löwer wollen ihn in "Hanno-Drechsler-Platz" umbenennen. Geschehen soll das noch vor Drechslers 75. Geburtstag am Freitag (24. März).
Was aber halten die Marburger davon?
Viele scheinen dagegen zu sein. Die Junge Union (JU) hat sogar ein Bürgerbegehren gegen die Umbennenung des Platzes gestartet.
Es geht dabei nicht darum dem ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler eine Würdigung abzusprechen. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie diese Entscheidung durchgezogen wurde. Die eilige Namensänderung scheint übers Knie gebrochen zu sein.
Der Wilhelmsplatz ist ein wichtiger und bekannter Ort in Marburg. Nicht nur die Einheimischen kennen ihn. Viele Auswertige, Besucher und Studenten orientieren sich mit Hilfe des Platzes am südlichen Rand der Kernstadt.
Eine Umbenennung dieses Platzes wird sicherlich viel Verwirrung auslösen. In den ersten Jahren würde wahrscheinlich die Benennung "Wilhelmsplatz" parallel zum neuen Namen fortbestehen.
100 Jahre Gewöhnung an Kaiser Wilhelm als Namensgeber sind wohl auch der Grund für die deutliche Ablehnung gegen dieses Vorhaben. Dagegen können selbst knappe 22 Jahr Hanno Drechsler als Oberbürgermeister nicht anstinken.
Ausserdem sollte man nicht die anderen bedeutenden Marburger vergessen, die ebenfalls eine ähnliche Würdigung verdient hätten. Prof. Dr. Erich Auerbach, Prof. Dr. Luise Berthold, Dr. Gottfried Benn, Prof. Dr. Franz-Eduard von Liszt oder Prof. Dr. Eduard Zeller sind nur einige herausragende Persönlichkeiten aus Marburg.. Sie würden bei einem solchen Verfahren einfach übergangen.
Aber es ist auch kein Wunder, dass Politiker ihresgleichen bevorzugen. Vielleicht erhoffen sie sich nach ihrem Tod insgeheim eine ebensolche Würdigung, wenn sie jetzt die Umbenennung durchboxen.
Was die Politiker allerdings unterschätzt haben, ist die Trägheit der Massen. Menschen akzeptieren spürbare Änderungen nur dann, wenn sie sich Vorteile davon versprechen.
Den einzigen Vorteil von der geplanten Namensänderung hat aber die CDU. Deren Jugendorganisation jetzt den "dicken Willi" macht nach dem Motto: "Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben!".
Mit ihrer Verbeugung vor Drechsler haben die SPD-Politiker ihrer christdemokatischen Konkurrenz eine Steilvorlage vor die Füße gespielt. So kurz vor den Kommunalwahlen am Sonntag (26. März) grenzt das fast schon an ein Eigentor.
 
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