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Text von Samstag, 4. Februar 2006

> s o n s t i g e s<
  
 Suche auf der Lahn: Junge war ins Eis eingebrochen 
 Marburg * (fjh/pm)
Fortgesetzt haben die Rettungskräfte ihre Suche nach einem siebenjährigen Jungen. Er war am Freitag (3. Februar) mit einer Schulkameradin auf die zugefrorene Lahn gegangen. Bei der Flussmitte war das Kind dann ins eis eingebrochen.
An dieser Stelle unweit des Lahngartens war das Eis von Wasserlöchern unterbrochen. Das Gewicht des Jungen trug es nicht. In Sekundenschnelle war er im eiskalten Wasser verschwunden und nicht wieder aufgetaucht. Daraufhin alarmierte das Mädchen seine Mutter. Sie wiederum benachrichtigte umgehend die Rettungskräfte.
Bereits am Freitag hatten etwa 110 Helfer der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW), der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und der Polizei versucht, den Kampf gegen die Zeit zu gewinnen. Ein Taucher der DLRG hat den Jungen schließlich am Samstag (4. Februar) gegen 11.45 Uhr gefunden. Er konnte nur noch tot geborgen werden.
Während die Rettungskräfte das Eis auf der Lahn, das sich in Fließrichtung zunehmend verdichtete, mit Äxten, Booten, Stöcken undsonst allerlei Hilfsmitteln, die zur Verfügung standen, aufbrachen, betreute der sofort hinzugezogene Kriseninterventionsdienst die Angehörigen.
Taucher suchten die Lahn ab. Hunde und der Polizeihubschrauber sowie eine Wärmebildkamera kamen zum Einsatz. Ein Notarzt mit Reanimations-Team stand über zwei Stunden lang zur Verfügung.
Gegen 20 Uhr unterbrachen die Helfer am Freitagabend ihre Suche. Am Samstagmorgen trafen sich wieder etwa 80 Helfer der gleichen Organisationen.
Bei der erneuten systematischen Suche fand ein Taucher der DLRG um 11.45 Uhr etwa 50 bis 60 Meter hinter der Einbruchsstelle in der Mitte des dort etwa 30 Meter breiten und 2 bis 3 Meter tiefen Flusses den Jungen.
Seinen Tod nimmt die Polizei zum Anlass, noch einmal eindringlich vor der gefahr zu warnen, die mit dem Betreten zugefrorener Gewässer verbunden ist. In den zurückliegenden kalten Tagen waren immer wieder viele Menschen aufgefallen, die sich auf zugefrorenen Wasserflächen bewegten. Dabei handelte es sich nicht nur um Kinder, sondern häufig auch um Erwachsene.
Weder teilweise vorhandene Verbotsschilder noch die vielfältigen, auf die Gefährlichkeit hinweisenden Berichte in den Medien hielten sie davon ab. Direkte Ansprachen besorgter Menschen - auch mit Hinweisen auf die vor der Gefahr warnenden Schilder - zeigten wenig oder gar keine Wirkung. Selbst das Einschreiten von Polizei oder Feuerwehr führte nur kurzzeitig zu freien Eisflächen.
Das Unglück in Wehrda spiegelt auf besonders tragische Weise die Gefährlichkeit der Eisflächen auf stehenden Gewässern wie Seen oder Teichen und insbesondere auch von fließenden Gewässern wie Flüssen oder breiteren Bächen wieder. Die Bewegung des Wassers lässt auch bei völliger Eisbedeckung niemals einen Rückschluss auf die Dicke und damit die Tragfähigkeit des Eises zu.
Kinder erkennen entwicklungsbedingt diese drohende Gefahr eher nicht. Sie orientieren sich vielmehr an anderen.
Vielleicht bewirkt das Schicksal des siebenjährigen Jungen nun ein Umdenken bei den "Großen" und "Älteren" und sie gehen mit gutem Vorbild weg vom Eis.
 
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