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Text von Sonntag, 3. July 2005

> p o l i t i k<
  
 Nachts zugeschlagen: Mehrere Übergriffe im Vorfeld 
 Marburg * (fjh/pm)
Zu mehreren tätlichen Übergriffen ist es im Vorfeld des diesjährigen Marktfrühschoppens gekommen. Das "kürzeste Volksfest Deutschlands" selbst verlief hingegen weitgehend friedlich.
Etwa 1.200 Gäste haben nach polizeilichen Schätzungen den Marktfrühschoppen am Sonntag (3. Juli) besucht. Darunter befanden sich gut 200 Veranstaltungsgegner. Ihren Unmut über das umstrittene Fest äußerten sie durch rhythmisches Klatschen, lautes Zwischenrufen und wiederholtes, anhaltendes Pfeifen mit und ohne Hilfsmittel.
Diese Meinungsäußerung bei dem - für jeden öffentlichen - Fest erforderte - außer selektiv durchgeführten Vorkontrollen - keine polizeilichen Maßnahmen.
Von 11 bis 14 Uhr fand das traditionelle Besäufnis der Oberstadt-Gemeinde mit den Marburger Burschenschaften auf dem Marktplatz vor dem Rahthaus statt. Zwischendurch zeigten die Kritiker neben ihren bedruckten T-Shirts und Regenschirmen große Transparente, die sie nach entsprechender polizeilicher Aufforderung sofort wieder einrollten. Nichts von alledem enthielt einen strafbaren Inhalt.
Am Rand des Marktplatzes versammelten sich zwei kleinere Gruppen, die Plakate, Fahnen und zusätzliche Transparente - auch hier ohne strafrechtliche Relevanz -trugen. Die Spontan-Demonstranten befolgten die - von der Versammlungsbehörde der Stadt Marburg erteilte - Auflage, den Marktplatz als Versammlungsort zu meiden und die Marktgasse oder die Reitgasse zu nutzen.
Um 13.15 Uhr schlossen sich die Veranstaltungsgegner zusammen und verließen gemeinschaftlich den Festplatz. Der Zug ging über die Barfüßer Straße, Am Plan und die Gutenbergstraße hinunter zum Collegium Gentium (CG). Dort löste er sich langsam auf.
Insgesamt führte die Polizei etwas mehr als 200 Personenüberprüfungen durch. Sie erteilte 13 Platzverweise. Aus gefahrenabwehrenden Gründen stellten die Beamten 12 Trillerpfeifen, 2 Trikots, ein Plakat und einmal Reizgas sicher.
Bis 16 Uhr ereigneten sich keine anschließenden Auseinandersetzungen zwischen Befürworten und Gegnern des Marktfrühschoppens. Im Vorfeld war es jedoch zu mehreren Übergriffen auf Verbindungshäuser und deren Mitglieder gekommen. Neben verschiedenen Farbschmierereien ermittelt die Polizei nach der Nacht zum Samstag (2. Juli) auch wegen mehrerer Körperverletzungen.
So fahndet sie nach einem etwa 25 bis 30-jährigen Mann mit kräftiger Statur. Der Gesuchte ist etwa 1,80 bis 1,90 Meter groß. Er und ein nicht beschriebener Begleiter griffen gegen 0.45 Uhr unvermittelt von
hinten zwei Männer im Alter von 63 und 64 Jahren an.
Die Besucher aus Achim und Kierspe erhielten je einen Schlag gegen den Kopf oder gegen die Schulter. Einer büßte dabei die Mütze seiner Studentenverbindung ein.
Zwischen 3 und 4 Uhr gab es vier weitere Vorfälle im Bereich Ritterstraße und am Barfüßer Tor. Zunächst klingelten vermummte, mit einem Stock ausgerüstete Gestalten an einer Haustür. Später traktierten sie diese Tür, die man ihnen vor der Nase wieder zuschlug, sodass dabei eine Glasscheibe zu Bruch ging.
Zehn Minuten danach löste sich in der Ritterstraße ein ungefähr 20 Jahre alter Mann mit sportlicher Figur, blonden Haaren und schwarzem Kapuzen-Pulli aus einer Gruppe von etwa sechs Personen. Der 1,80 Meter große Unbekannte ging auf das 23-jährige Mitglied einer Verbindung zu, trat den Studenten und flüchtete danach.
An der Ecke der Ritterstraße zur Landgraf-Philipp-Straße wartete ein 30-jähriges Verbindungsmitgliedt gegen 4 Uhr auf sein Taxi. Währenddessen kam ein Mann vom Kalbstor auf ihn zu und forderte ihn auf, zu verschwinden. Als der Angesprochene dieser Aufforderung nicht nachkam, quittierte der andere das mit dem Diebstahl der Mütze und einem Schlag ins Gesicht. Der dunkel gekleidete Angreifer war 1,90 bis 1,95 Meter groß, sportlich schlank und nicht älter als 30 Jahre.
Der schwerwiegendste Vorfall ereignete sich gegen 3.30 Uhr. Ein 29-jähriger Mann aus Wetter erhielt während einer Auseinandersetzung mit zwei bis drei Personen vor einem Gastronomiebetrieb an der Schlosstreppe mit einer Bierflasche einen Schlag gegen den Kopf. Die dadurch entstandenen Verletzungen erforderten eine medizinische Versorgung im Krankenhaus.
Eine Personenbeschreibung dieser Täter liegt nicht vor.
Ob es sich in allen Fällen um den oder die gleichen Täter handelt, steht zur Zeit noch nicht fest. Die Opfer gehörten verschiedenen Verbindungshäusern an.
Mit dem Slogan "Jedes Jahr die gleiche Scheiße: Marktfrühschoppen fluten!" und dazu dem Bild einer Kloschüssel voller Exkremente war bereits im Juni zu Aktionen gegen den Marktfrühschoppen aufgerufen worden.
 
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