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Text von Samstag, 22. Mai 2004

> s o z i a l e s<
  
 Noch ein Verein: Dünkel oder Solidarität? 
 Marburg * (fjh)
Alles neu macht der Mai. Getreu diesem alten Spruch über den Frühling haben in Marburg jetzt auch erwerbslose Akademikerinnen und Akademiker einen Neuanfang gewagt: Im "Café les Journeaux" haben sie am Mittwoch (19. Mai) den Verein "AkademikerInnen-Solidarität Marburg" (ASM) gegründet. Er soll die Interessen von Akademikerinnen und Akademikern in prekären Arbeitsverhältnissen und in Erwerbslosigkeit vertreten.
Nun könnte man fragen: Warum braten sich die akademisch gebildeten Erwerbslosen eine Extrawurst? Bilden sie sich ein, etwas Besseres zu sein? Warum schließen sie sich nicht den vorhandenen Gruppen an?
Ein böser Spruch sagt: "Wenn sieben Deutsche zusammensitzen, gründen sie einen Verein." Nirgendwo in der Welt ist die Vereinsdichte so hoch wie in deutschland. Gibt es nicht auch im Bereich der Erwerbslosen schon genug Aktivitäten?
Seit vielen Jahren arbeitet der Erwerbslosenkreis im Marburger DGB. Er bietet Interessierten eine qualifizierte Beratung an. Seit dem Herbst hat auch die Humanistische Union (HU) in Marburg einen Arbeitskreis "Erwerbslosigkeit und soziale Bürgerrechte " (ESBR) gegründet. Man könnte nun meinen, die Interessen der Erwerbslosen würden hinreichend vertreten.
Schaut man sich jedoch die Gesetzgebung an, so wird schnell klar, dass die Stimme der Erwerbslosen trotz viereinhalb Millionen menschen bislang noch nicht laut genug war. Wie sonst könnte man erklären, dass Bezieher von "Arbeitslosengeld 2" ab Januar 2005 ohne Einverständnis der Arbeitsverwaltung nicht mehr ihren Wohnort wechseln dürfen und zur Annahme jeder "Arbeitsgelegenheit" gezwungen werden können.
So wird deutlich, dass es gar nicht genug Organisationen geben kann, die sich für die Belange der Erwerbslosen einsetzen. "Solidarität" - wie sie der neue Verein in seinem Namen verspricht - ist hier bitter nötig. Solange die verschiedenen Vereine und Gruppen nicht gegeneinander oder aneinander vorbei arbeiten, kann jede neue Stimme nur nutzen. So darf man der ASM denn auch viel Erfolg wünschen.
 
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