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Text von Mittwoch, 3. März 2004

 
Lyrik, ade: Keine Chance für große Dichter
  Marburg * (FJH)
Bei der Entscheidung zwischen Anspruch und Praktikabilität haben sich die Verantwortlichen für eine leichtere Handhabbarkeit entschieden: Den Literaturpreis der Stadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf können Autoren künftig nur noch für Werke erhalten, die bereits in einem deutschen Verlag veröffentlicht worden sind. Damit bleibt zeitggenössische Lyrik praktisch außen vor.
Gewiss: Eine Einschränkung musste sein. 28 Kartons voller Bewerbungsunterlagen, wie sie nach der letzten Preisausschreibung eingegangen waren, waren nicht zu bewältigen. Eine Einschränkung der Bewerbungsvoraussetzungen war schlicht unvermeidbar.
Die Herabsetzung des Höchstalters von Einsendern auf 40 Jahre ist da durchaus angebracht gewesen. Auch die Ausschreibung eines Regio-Preises für Bewohner der fünf mittelhessischen Landkreise ist sinnvoll.
Aber die Lektoren deutscher Verlage zu einer Art Hilfs-Jury zu ernennen, scheint doch eine hilflose Reaktion auf die Bewerbungsflut zu sein. Schließlich entscheiden sie in erster Linie nach Verkäuflichkeit der eingereichten Texte und höchstens in zweiter Linie nach deren Qualität.
Da zeitgenössische Lyrik in Deutschland kaum verkäuflich ist, haben Gedichte unbekannter junger Autorinnen und Autoren bei deutschen Verlagslektoren kaum eine Chance. Damit fällt die Lyrik im Ergebnis nun leider auch aus dem Wetbewerb um den Marburger Literaturpreis heraus.
Das ist sehr schade, zumal gerade Lyrik angesichts ihrer schlechten Verkäuflichkeit eine Förderung durch Priese wie den Marburger dringend benötigt. Die Eingrenzung des Literaturpreises auf Lyrik wäre hier deswegen ein wünschenswerter Schritt gewesen.
Stadt und Kreis haben sich jedoch für die Kommerzialität und gegen schwer verdauliche Verse entschieden. Damit haben sie eine Chance verpasst, dem Marburger Literaturpreis ein ganz eigenes Profil zu verpassen.
Dennoch dürfte das Rennen um den Preis spannend werden. Dafür sorgt schon der eintägige Workshop am Tag vor der Preisvergabe. Deswegen darf man auf die Preisträger gespannt sein.
 
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