Sie sind hier: marburgnews >

Kultur


Heute ist Dienstag, 14. July 2020

Text von Samstag, 9. März 2002


Auftritt: Erika Spalke und die Jugend

Marburg * (FJH)
"Eigentlich bin ich schüchtern", sagt Erika Spalke über sich. "Viele Leute bringen das nicht zusammen, dass ich auf der Bühne stehe." In den Produktionen "Flusspferde" und "Die weiße Rose" zeigt die 25-jährige Schauspielerin bei der 7. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche ihr Können.
[Erika Spalke als Sophie Scholl]

Die direkte Reaktion der Kleinen reizt die Darstellerin: "Wenn sie gelangweilt sind, dann zeigen die Kinder das auch und gähnen oder werden laut. Wenn es ihnen gefällt, dann gehen sie mit und rufen oder lachen."
Das schönste Stück, bei dem die gebürtige Marburgerin bisher mitgespielt hat, war nach eigener Einschätzung das Stück "Die Troierinnen" von Jean-Paule Sartre. Am Herzen liegt ihr auch die Rolle der Sophie Scholl in "Die weiße Rose".
Gerne erinnert sie sich auch an das Jugendstück "Fun" von James Bosley. Zwei Mädchen um die 15 freunden sich miteinander an. Nur so zum Spaß bringen sie eine alte Frau um. "Das war eine sehr schöne und intensive Arbeit", erinnert sich Spalke.
Intensiv geht es beim Kindertheater schon deswegen zu, weil in der Weihnachtszeit täglich zwei Vorstellungen stattfinden. "Das ist sehr anstrengend", seufzt die Schauspielerin. "Aber das ist angenehmer Stress."
Lampenfiber hat Erika Spalke nur vor Premieren und den ersten drei oder vier Vorstellungen eines Stücks: "Dann kann ich den ganzen Tag nichts essen und habe regelrecht Bauchschmerzen." Kritik ist der jungen Mimin lieber als unbegründetes Lob, aber die Auseinandersetzung muss konstruktiv sein.
Bisher hat Erika Spalke aber durchaus gut abgeschnitten. Nicht nur für ihre Rolle als Marianne in Ödön von Horvaths "Geschichten aus dem Wienerwald" erntete sie hervorragende Kritiken. Sie wächst mit ihren Aufgaben, meint die junge Schauspielerin.
Ihre Liebe zum Theater hat die Tochter eines Lehrer-Ehepaars aus dem Marburger Stadttteil Marbach schon während der Schulzeit entdeckt. Als Zehntklässlerin trat sie zum erstenmal bei Aufführungen der Elisabethschule auf. "Da habe ich gemerkt, dass mir das großen Spaß macht, auf der Bühne zu stehen", berichtet sie. Ohne anderen davon zu erzählen, besorgte sie sich Unterlagen über die Theaterlaufbahn. Die Darstellung der Berufschancen war dort aber so abschreckend, dass Erika ihre Idee nicht weiter verfolgte.
Nach dem Theaterauftritt in Klasse 13 ermunterte eine Lehrerin sie jedoch, sich einmal um eine Schauspielausbildung zu bewerben. Noch im Juni 1996 sprach Erika Spalke bei einigen Schauspielschulen vor. Sie wollte sich damit auf die Bewerbungsrunde des folgenden Jahrs vorbereiten, für die sie sich realistische Chancen erhoffte.
Ihre Chance erhielt sie aber schon beim ersten Versuch: Die "Schule des Theaters im Theater der Keller" in Köln nahm die Marburger Abiturientin an. Noch als Elevin sammelte sie in der Dom-Stadt erste Bühnen-Erfahrungen.
Gleich danach erhielt Erika Spalke ihr erstes Engagement. So kehrte sie im Februar 2000 in ihre Heimatstadt zurück, wo sie seither beim Hessischen Landestheater engagiert ist.
Mit ihrer Arbeit und den Kollegen ist sie sehr zufrieden. Dennoch möchte die Darstellerin ihre Heimatstadt im Sommer verlassen. In Berlin erhofft sie sich neue Erfahrungen, wenngleich sie dort bisher noch kein Engagement gefunden hat. Aber sie ist neugierig auf eine Stadt, wo es "an jeder Ecke Theater und Kultur gibt".
Gerne einmal ausprobieren möchte sie klassische Rollen in Stücken von william Shakespeare oder Heinrich von Kleist. Auch Kabarrett, Film, die Arbeit als Synchron- oder Hörbuchsprecherin würden sie reizen. An Fernsehserien hingegen hat sie weniger Interesse.
Sich selber bezeichnet sie zwar nicht als politishcen Menschen, doch verfolgt sie das Geschehen in der Welt durchaus aufmerksam. Ihre "menschliche und philosophische" Überzeugung möchte sie auf der Bühne gerne anderen vermitteln: "Vielleicht bin ich ja naiv, aber nach meiner Überzeugung kann man Frieden nicht mit Krieg erreichen."


Kultur-Archiv





© 01.02.2002 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg