Sie sind hier: marburgnews > Kultur > Detailansicht



Text Einmal Klassik und zurück anzeigen

Einmal Klassik und zurück

Armin Fischer begeisterte mit gekonntem Musik-Kabarett


19.08.2008 - fjh


Begeisterte Besucherinnen und Besucher der Waggonhalle feierten am Montag (18. August) den Musik-Kabarettisten Armin Fischer. Im Rahmen des 9. Marburger Variete-Sommers präsentierte er dort sein Programm "Anekdoten nach Noten – einmal Klassik und zurück".
Zu Beginn wirkte Fischer in der – bis auf den allerletzten Winkel voll besetzten – Waggonhalle noch ein wenig verhalten. Der Musiker mockierte sich über den französischen Klangteppich-Produzenten Richard Kleidermann. Die meisten seiner Stücke habe er mit zwei Fingern spielen können, kritisierte Fischer und führte das anschließend auch vor.
Er selbst habe das Klavierspiel von einem Onkel erlernt, der seinen rechten Arm im Krieg verloren hatte. Deswegen habe dieser Verwandte immer nur mit der linken Hand gespielt.
"Das habe ich bewundert", gestand Fischer. Als Kind habe er geglaubt, das müsse so sein. Deswegen habe auch er das Spielen nur mit der linken Hand geübt.
Im Alter von neun Jahren sei er zum ersten Mal öffentlich aufgetreten. Das damals vorgetragene Stück spielte Fischer dann so schräg, dass sein Vortrag beim Publikum schallendes Gelächter auslöste.
Immer wieder brachte der Komödiant die Gäste zum Lachen, indem er verschiedene bekannte Musikstücke nahtlos ineinander übergehen ließ und dazu passende Kommentare absonderte. Mühelos konnte er von Klassik in Jazz, Pop oder Volksmusik überwechseln und auch wieder zurück.
Sein Geld habe er jahrelang als Bar-Pianist auf einem Kreuzfahr-Schiff verdient, berichtete Fischer. Dazu intonierte er das Lied "As Time goes by" aus dem Film "Casablanca". Gleichzeitig sagte er wieder und wieder "n Abend".
Dieses Thema zog sich dann den gesamten Abend über durch das Programm. Immer wieder wechselte irgendein Stück in diese Melodie über und "n Abend" erklang. Schallendes Gelächter war jedesmal die umgehende Folge.
Fast alle bekannten Komponisten von Johann Sebastian Bach über Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms, Georg Friedrich Händel und Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu Franz Schubert tauchten in Fischers Programm auf. Meist ließ er eine ihrer Kompositionen in einen bekannten Schlager übergehen oder er spielte ein bekanntes Lied im Stil eines berühmten Komponisten, bis es in eines seiner Werke überging.
Eine hahnebüchene Geschichte über den Besuch des jungen Mozart beim britischen König George garnierte er mit dessen Aufforderung, ein modernes Musical-Thema im Stile Frederic Chopins zu spielen. Natürlich gelang auch das zu aller Erheiterung grandios.
Bach habe Händel seinerzeit vorgeschlagen, eine gemeinsame Band zu gründen. Doch Händel habe Bedenken geäußert: "Hier in England würde so was Back-Händel genannt werden."
Die Entstehung des Donau-Walzers von Johann Strauß führte Fischer auf komödiantische Weise vor. Wie er selbst auch, sei Strauß Pianist auf einem Donau-Dampfer gewesen. Bei hohem Seegang sei ihm das Spiel dann durch die Schwankungen durcheinandergeraten. Hin und herrollende Gegenstände hätten den Takt angegeben. Herausgekommen sei dann der bekannte Walzer.
Eine Jux-Oper hatte der Komiker mit Elementen klassischer Komponisten zusammengestellt. Die wahnwitzige Handlung garnierte er nicht nur mit seinem Spiel am Piano, sondern auch mit Gesang und seinen unvermeidlichen Pointen: "Der Sänger ist 1,20 Meter hoch, wenn er auf dem Boden liegt."
Mit dem Flügel, einer Melodika und einer Mundharmonika sowie seinen treffsicheren Bemerkungen begeisterte Fischer mehr als zweieinhalb Stunden lang sein Publikum. Zweimal zeigte er aber auch, dass er durchaus auch ernsthaft spielen kann. Liszts "Liebestraum" spielte er so virtuos und einfühlsam, dass es im Zuschauerraum absolut still wurde.
Den Höhepunkt des Abends bildete aber zweifelsfrei Fischers Spiel mit dem Rücken zum Konzertflügel. Mit den Händen hinter sich greifend, spielte er eine von Mozarts Variationen zu "Ah Vous Dirai-Je Maman" In Deutschland ist diese Melodie besser bekannt als "Morgen kommt der Weihnachtsmann".
Anschließend forderte Fischer das Publikum auf, ihm Volkslieder vorzuschlagen, die er dann ebenfalls mit dem Rücken zum Klavier spielte.
SeinWitz und sein Können paarten sich an diesem Abend mit Originalität, Improvisationstalent und Einfühlungsvermögen. Den langanhaltenden donnernden Applaus des Publikums hatte dieser geradezu geniale Komiker mit seinem eindrucksvollen und zugleich witzigen Programm wirklich verdient.
Ein weiteres Verdienst Fischers ist aber noch viel höher zu bewerten: An diesem Abend hat er viele Menschen der klassischen Musik auf eine heitere Weise nahegebracht, von denen viele diese Werke sonst möglicherweise selten oder nie anhören. Nicht nur deswegen war Fischers Auftritt absolut sehens- und vor allem hörenswert.


Franz-Josef Hanke - 19.08.2008



© 2007 by  marburgnews