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Text von Montag, 31. Dezember 2007

> b i l d u n g<
  
 Gebühren-Jahr 2007: Sparen für einen neuen Campus 
 Marburg * (fjh)
Das laufende Wintersemester war die erste Periode, in der in Hessen flächendeckend Gebühren nach dem sogenannten "Hessischen Studienbeitrags-Gesetz" (HstuBeiG) erhoben wurden. Von der im Gesetzentwurf vollmundig angekündigten spürbaren Verbesserung der Studienbedingungen war an der Philipps-Universität aber höchstens insofern etwas zu bemerken, als die Studierenden-Zahl dort zu Semesterbeginn merklich gesunken ist.
Nicht nur durch die Studiengebühr von 500 Euro pro Semester haben sich die Studienbedingungen an der Marburger Universität sogar noch verschlechtert. Studentinnen und Studenten am Fachbereich Politik- und Gesellschaftswissenschaften beklagen Stellenstreichungen, die zusätzlich zu überfüllten Seminaren auch eine politische Richtungsänderung zementieren. Vom kritischen Geist eines Prof. Dr. Wolfgang Abendroth, eines Prof. Dr. Reinhard Kühnl, eines Prof. Dr. Georg Fülberth oder eines Prof. Dr. Frank Deppe habe sich der - gerade in dieser Richtung überaus traditionsreiche - Fachbereich 03 mit der jüngsten Mittelkürzung auf schmerzliche und undemokratische Weise verabschiedet.
Eine sehr unrühmliche Rolle hat auch hier der Universitätspräsident gespielt. Bereits bei der Streichung der Osteuropa-Forschung hatte Prof. Dr. Volker Nienhaus nicht gerade durch Geradlinigkeit oder Redlichkeit überzeugt. Ohnehin scheint ihm sein Amt so unwichtig zu sein, dass er nicht einmal seinen Wohnort in die Nähe marburgs verlegen wollte.
Verlegen möchte die Universitätsleitung indes die Universitätsbibliothek (UB) und den Fachbereich Politik- und Gesellschaftswissenschaften. Zwischen der Elisabethkirche und dem Hörsaalgebäude an der Biegenstraße soll der neue "Campus Firmanei" entstehen, nachdem die sogenannten "Elefantenfüße" zwischen der Wilhelm-Röpke-Straße und der Stadtautobahn B3A nach knapp 40 Nutzungsjahren bereits umfassend sanierungsbedürftig geworden sind.
Für den geplanten "Campus Firmanei" soll die erhaltenswerte ehemalige Frauenklinik am Pilgrimstein abgerissen werden. An ihrer Stelle soll eine neue Universitätsbibliothek entstehen. Auf dem Gelände der einstigen Brauerei am Pilgrimstein sollen andere Uni-Institute errichtet werden. Sowohl die Bauarbeiten als auch die nachherige starke Frequentierung der neuen Gebäude bedrohen die ebenfalls erhaltenswerte Substanz des Alten Botanischen Gartens.
Der Neue Botanische Garten liegt weit außerhalb des Stadtzentrums auf den Lahnbergen. In seiner nachbarschaft sind inzwischen die meisten Universitätskliniken beheimatet, denen die Privatisierung zum 1. Januar 2006 sicherlich nicht gerade gut bekommen ist.
Neue Nachbarschaft haben sie Anfang Dezember auch von Deutschlands erstem Hochsicherheitslabor bekommen, in dem an hochgefährlichen Krankheitserregern wie SARS oder Marburg-Virus geforscht wird. Hätte dergleichen vor 20 Jahren bestimmt noch erbitterte Proteste hervorgerufen, so herrscht heute trotz der Ansiedlung dieser gefährlichen Einrichtung geradezu Grabesruhe.
Geld für diese hochgefährliche Forschung ist anscheinend zur Genüge vorhanden, während andere Einrichtungen der Philipps-Universität betteln gehen oder gar gänzlich kaputtgespart werden. Die Privatisierung der Hochschule ist in Marburg schon längst auf einem Niveau angekommen, das keine rosige Zukunft erwarten lässt.
 
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