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Text von Donnerstag, 18. Oktober 2007

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 Lehre war links: Abschied von Abendroth-Tradition 
 Marburg * (fjh/pm)
Unter dem Protest von 100 Studierenden beschloss das Direktorium der Politikwissenschaft am Mittwoch (17. Oktober), eine vom Präsidium der Philipps-Universität angeordnete Stellenkürzung zu akzeptieren. Statt - wie bisher - neun wird es am Institut für Politikwissenschaft künftig nur noch acht Professuren geben.
Neben einer Professur geht am Institut auch eine Tradition verloren. Gekürzt wird aller Voraussicht nach die letzte Professur, die sich an der Forschungsperspektive des Marxisten Prof. Dr. Wolfgang Abendroth ausrichtet.
In einem Antrag hatten die Studierenden zuvor das Direktorium aufgefordert, die Stellenkürzung zurückzuweisen und auf einer sofortigen Besetzung der letzten Professur in der Tradition Abendroths zu bestehen.
"Dass heute viele Studierende im Direktorium waren, zeigt, welche Bedeutung die Professur und auch die kritische Forschungsperspektive für die Studierenden haben", erklärte Philipp Köllen von der Initiative zur Rettung kritischer Wissenschaft in Marburg.
Die Entscheidung des Direktoriums hält er nicht nur aus diesem Grund für eine krasse Fehlentscheidung. Schließlich stelle die Kürzung das Institut für Politikwissenschaft grundlegend in Frage: "Mehrere Studiengänge und Module werden durch die Streichung nicht mehr angeboten werden können. Insbesondere die Bereiche Europa-Forschung und Internationale Politische Ökonomie können nicht mehr sinnvoll abgedeckt werden."
Die Initiative hatte über 1.000 Unterschriften gegen die Stellenstreichung gesammelt. Sie sollten am Rande der Direktoriumssitzung dessen Mitgliedern überreicht werden.
Der Geschäftsführende Institutsdirektor Prof. Dr. Henkenborg weigerte sich jedoch, die Unterschriften anzunehmen.
"Das Direktorium fügt sich klaglos in sein Schicksal. Die äußerst fragwürdige Politik des Präsidiums wird dadurch nachträglich legitimiert.", kritisierte Nikolai Huke. Er ist Referent für Hochschulpolitik des Allgemeinen Sudierenden-Ausschusses (AstA).
Das Präsidium hatte zuvor die Berufungsliste für die Professur "Internationale Politische Ökonomie mit Schwerpunkt Europäische Integration" in Frage gestellt. Es setzte sich damit über eine Entscheidung der dafür zuständigen Berufungskommission hinweg.
Die Einflussnahme des Präsidiums wurde unter anderem vom Senat, dem höchsten Gremium der universitären Selbstverwaltung, scharf kritisiert.
Die verbleibenden Professuren sollen nun ein neues Profil erhalten. Die Geschäftsführung des Instituts für Politikwissenschaft wurde beauftragt, bis zur nächsten Sitzung des Direktoriums in zwei Wochen hierfür eine Vorlage zu erarbeiten. Studierende und Vertreter des wissenschaftlichen Mittelbaus sollen an der Erarbeitung der Vorlage nicht beteiligt werden. "
"Die kritische Forschungsperspektive in der Tradition Abendroths wird durch den neuen Zuschnitt der Professuren entweder ganz wegfallen oder nur noch in einer Junior-Professur erhalten bleiben. Der Methoden-Pluralismus des Instituts wird so weiter eingeschränkt", befürchtet Huke.
 
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