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Text von Freitag, 27. April 2007

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 Studi-Studie: Saufgelage statt Säften 
 Marburg * (fjh/pm)
Viel Sport, Obst und Gemüse, kein Alkohol und keine Zigaretten? An diese vier Regeln für das gesunde Leben halten sich gerade einmal zwei Prozent der Studierenden im ersten Semester an deutschen Universitäten. 18 Prozent hingegen folgen nicht einmal einer dieser Regeln.
"Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Zahl derer alarmierend hoch, bei denen sich die Risiko-Faktoren für die Gesundheit häufen", stellte der Medizin-Psychologe Prof. Dr. Heinz-Dieter Basler vom Fachbereich Medizin der Philipps-Universität fest. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Keller von der University of Hawaii at Manoa hat er jüngst eine repräsentative Studie an 1.262 Marburger Erstsemestern durchgeführt. Die anonyme Umfrage richtete sich an angehende Juristen, Lehrer und Mediziner.
62 Prozent der Befragten bekannten sich zu regelmäßigen "Saufgelagen". Jeder zehnte hatte in den letzten dreißig Tagen sogar sechs oder mehr "binge drinking episodes".
31 Prozent waren Raucher. Nur zwei von fünf gaben an, mindestens dreimal in der Woche jeweils zwanzig Minuten lang intensiv Sport zu treiben. Nur einer von zwanzig hielt sich an die Gesundheitsregel, fünf Mal am Tag Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen.
"Bereitschaft zum Umdenken gibt es wenig", sagte Basler. "Insbesondere jene, bei denen mehrere Risiko-Faktoren vorliegen, haben selten vor, ihr Verhalten zu ändern."
Selbst Mediziner, die ja eigentlich die schädlichen Folgen vor Augen haben müssten und zudem als gesellschaftliches Vorbild gelten sollten, leben nicht wesentlich gesünder als die Vergleichsgruppen. Wenigstens rauchten und tranken sie weniger.
Jura-Studenten haben dagegen die größte Alkohol-Neigung bei
geringster körperlicher Betätigung. Lehramtskandidaten traten durch die höchste Raucher-Rate und den niedrigsten Verzehr von Obst und Gemüse hervor.
Insbesondere das Rauchen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, hängt offenbar eng mit der Neigung zu gesundheitsschädlichem Verhalten zusammen: Bei 94 Prozent aller Raucher waren mindestens zwei weitere Risiko-Faktoren anzutreffen.
Doch nicht nur das Rauchen macht riskantes Verhalten wahrscheinlicher. Während Indikatoren wie Religion, Alter, Geschlecht, die Zugehörigkeit zu einer Burschenschaft oder die Tatsache, den Wehrdienst abgeleistet zu haben, "keinen systematischen Zusammenhang mit dem Vorliegen mehrerer Risiko-Faktoren bei einem Individuum" nahe legen, ist es vielmehr eine bestimmte Wohnform, die mit einer Häufung von Risiken einhergeht: "Wer in einer Wohngemeinschaft lebt, hat - statistisch gesehen - die ungesündeste Lebensweise", hat Basler herausgefunden.
"Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Prävention ein viel höheres Gewicht zukommen muss", folgert der Medizin-Psychologe nun. Allerdings gebe es für Deutschland kaum Studien, die sich zum einen der Frage der Mehrfach-Risiken widmen und zum anderen die Veränderungsbereitschaft hinsichtlich mehrerer - voneinander abhängiger - Faktoren untersucht.
"Wer das Rauchen aufgibt, um stattdessen mehr zu trinken, hat nichts gewonnen", resümierte Basler. Er forderte darum weitere Studien, die genau diese Wechselwirkungen untersuchen: "Erst dann können wir maßgeschneiderte Präventionsmaßnahmen entwickeln, die den Bedürfnissen von Personen mit mehreren Risiko-Faktoren entsprechen."
 
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