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Text von Samstag, 3. März 2007

> b i l d u n g<
  
 Projekt: Erst Muttersprache, dann Deutsch 
 Marburg * (sts)
"Wir wollen eine Veränderung in den Köpfen erreichen, eine neue Kultur des Zusammenlebens gestalten", fasste Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) die Ziele des Projekts "Bildungspartnerschaften auf dem Richtsberg" zusammen. Durch diese auf drei Jahre begrenzte Initiative sollen ausländische Eltern in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden und enger mit öffentlichen Institutionen zusammenarbeiten.
Das Erlernen der jeweiligen Heimatsprache ist dabei ein interessanter neuer Ansatz. "Neueste Forschungen haben gezeigt, dass es Kindern viel leichter fällt, die deutsche Sprache zu lernen, wenn sie erst einmal ihre Muttersprache beherrschen", erklärte Christian Meineke vom Fachdienst Jugendförderung der Stadt Marburg.
Die Heimatsprache müsse als persönliche Bildungsressource begriffen werden und nicht als Hindernis. Aus diesem Grund finanziert das neue Projekt sogenannte Familienpatinnen. Diese sollen gezielt Eltern aus ihrem Kulturkreis bei der Erziehungs- und Bildungsarbeit unterstützen.
Brigitte Görg-Kramß - die Schulleiterin der Astrid-Lindgren-Schule - machte anhand eines Beispiels die Verunsicherung vieler Eltern gegenüber den Institutionen deutlich: "Heute morgen sah ich eine russische Mutter, die ihr weinendes Kind zur Schule brachte. Das Mädchen hatte Angst, in die Schule zu gehen. Ich schlug vor, den Schulpsychologen einzubeziehen. Die Mutter lehnte das ab. Psychologe bedeutete für sie soviel wie Psychiatrie."
Bei solchen kulturellen Unverständnissen sollen die "Bildungspartnerschaften am Richtsberg" ansetzen. Neben den Familienpatinnen werden aus dem Programm auch noch zahlreiche weitere Initiativen wie Sprachkurse, Kultur-Angebote oder Geburtsvorbereitungskurse finanziell unterstützt.
"Die meisten Angebote existieren bereits. Wir wollen keine weiteren Angebote schaffen, sondern die bestehenden stärken", sagte Meineke. Hierzu stehen für die nächsten drei Jahre insgesamt 470.332 Euro zur Verfügung. Der Eigenanteil der Stadt beträgt davon 154.000 Euro, den Rest finanziert das Land Hessen.
Wie Kahle berichtete, versucht die Stadt derzeit, die Förderung des Projekts auf die Gebiete Waldtal, Stadtwald und Wehrda auszudehnen. Offen blieb nur, wie nach dem Ablauf der drei Jahre weiterverfahren wird.
Bis dahin seien nachhaltig Strukturen und Rahmenbedingungen verändert worden, hoffte Meineke. Kahle war sich sicher, dass bis dann weitere Fördergelder für dieses oder ähnliche Projekte bereitstehen werden.
 
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