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Text von Donnerstag, 1. Februar 2007

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 Afrika gewählt: Forschung für Artenvielfalt 
 Marburg * (fjh/pm)
666.000 Euro erhalten Marburger Ökologen und Ökonomen für Bio-Diversitäts-Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seiner Initiativen zu globalem Wandel. An der dritten Phase des Verbund-Vorhabens "Biodiversity Monitoring Transect Analysis in Africa" (BioTA-South) sind auch Marburger Forscher beteiligt.
Dem Projekt gehören rund 40 internationale Kooperationspartner an. 666.000 Euro der Gesamtförderung fließen an Ökologen und Ökonomen der Philipps-Universität.
Durchgeführt
werden die beiden auf je drei Jahre angelegten Marburger Teilprojekte von BIOTA-South von der Arbeitsgruppe "Allgemeine Ökologie und Tierökologie" am Fachbereich Biologie der Universität, die unter Leitung von Prof. Dr. Roland Brandl steht, und der Arbeitsgruppe um Professor Dr. Michael Kirk am Institut für Kooperation in Entwicklungsländern (IKE) des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften. Beide Arbeitsgruppen waren auch schon an den ersten beiden Phasen von BIOTA-South beteiligt.
Roland Brandls Arbeitsgruppe, in der der Ökologe Dr. Jork Meyer die Projektleitung übernehmen wird, wird sich auf genetische Konsequenzen der Landschaftsfragmentierung in Südafrika, insbesondere auf den Genfluss bei Tieren konzentrieren. Die Marburger Wirtschaftswissenschaftler um Michael Kirk, zu denen auch Dipl. Volksw. Björn Vollan gehört, werden die ökonomischen Potentiale partizipativ bewirtschafteter Schutzgebiete in so genannten "communal areas" analysieren. Darüber
hinaus untersuchen die Ökonomen die politische Umsetzung von Forschungsergebnissen des BIOTA-Verbunds, wobei sie unterschiedliche Lenkungsebenen innerhalb der betrachteten Staaten in den Blick nehmen werden.
"Die zunehmende kommerzielle Nutzung von Landschaften durch den Menschen ist weltweit einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang der Bio-Diversität", erklärte Brandl. "Das reicht von der Zergliederung und Zerstörung von Lebensräumen bis hin zum Verlust genetischer Diversität durch reduzierten oder fehlenden Gen-Austausch in intensiv genutzten Landschaften." Beispielhaft dafür sei die Vegetation in der Kapregion Südafrikas, die "Kapensis", die weitgehend aus niedrig wachsenden Gräsern, Sträuchern und Büschen besteht. Während in höher gelegenen Gebieten die ursprüngliche Vegetation, der "Fynbos", durch menschliche
Aktivitäten vergleichsweise wenig beeinträchtigt wurde, sind flachere Bereiche durch landwirtschaftliche Nutzung stark fragmentiert. Auch in weiten Teilen Namibias zeige sich eine starke Übernutzung der natürlichen Ressourcen in Form von Verbuschung oder nachlassender Pflanzendichte und Pflanzendiversität.
Der Fokus der Marburger Untersuchungen richtet sich auf den Genfluss bei Tieren, insbesondere auf die genetische Strukturierung ausgewählter Kleinsäuger, Vögel und Käfer, die mittels Technologien wie DNS-Sequenzierung und AFLP (Amplified Fragment Length Polymorphism) analysiert werden soll. Die Ergebnisse
werden schließlich mit Landschafts- und Vegetationsmerkmalen aus Luft- und Satellitenbildern abgeglichen und bewertet. Die Auswirkungen der fragmentierten Lebensräume auf Pflanzenpopulationen werden Forscherkollegen der Universitäten Stellenbosch (Südafrika), Regensburg und Potsdam untersuchen.
Doch auch ökonomische Entwicklungen und die damit einhergehende Nutzung von Bodenflächen führen zu einem Verlust an Artenvielfalt. Zu den Ursachen gehören gravierende ländliche Armut, fehlende nicht-landwirtschaftliche Einkommen, das Herausdrängen der schwarzen und farbigen Bevölkerung in so genannte "communal lands" und unzureichendes Wissen. Die entwicklungsökonomische Arbeitsgruppe am IKE, die sich der Bewertung partizipativer Nutzungskonzepte für kommunale Schutzgebiete ("conservancies") in Südnamibia und im Namaqualand Südafrikas widmet, will daher Lösungsansätze aufzeigen, wie die benachteiligte ländliche Bevölkerung unmittelbaren Nutzen aus der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer natürlichen Ressourcen ziehen kann, sodass sich der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umwelterhalt entschärfen lässt. Mit Hilfe der "experimentellen Ökonomik" werden die Wissenschaftler verschiedene institutionelle und organisatorische Arrangements daraufhin untersuchen, in welchem Maße sie zu einer gerechteren Verteilung der gemeinschaftlich erwirtschafteten Einkommen führen können.
Außerdem analysieren Wissenschaftler des IKE die Folgen der in Namibia begonnenen Landreform, insbesondere die Frage, wie sich die dadurch veränderte Bio-Diversität auf die Bevölkerung in den "communal lands" auswirkt. Gemeinsam mit namibischen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen, aber auch mit privatwirtschaftlichen Unternehmen erarbeiten sie Modelle, wie die in den ersten zwei BIOTA-Phasen gewonnenen Ansätze - ökonomische Anreize, Sanktionsinstrumente
wie etwa Steuern, aber auch technische Innovationen zum Bio-Diversitätserhalt - Eingang in nationale Sektorpolitiken, die Arbeit lokaler Kommunen oder Privatinitiativen finden können. Welche Ministerien eignen sich in diesem Prozess der politischen Ökonomie als Anknüpfungspunkte? Welche Interessengruppen werden berührt und müssen integriert werden? Welches Instrument sollte auf welcher Verwaltungsebene eingesetzt werden? Was kann die lokale Zivilgesellschaft leisten und wie bleiben Mitspracherechte der lokalen Nutzer gesichert?
"Somit leisten die Marburger Teilprojekte", so Kirk, "wichtige Beiträge zur Erreichung der langfristigen Zielsetzung des BIOTA-South-Projektverbunds. In dessen Rahmen nämlich wird vor allem die Bereitstellung wissenschaftlicher Ergebnisse und daraus abgeleiteter Empfehlungen für politische Entscheidungsträger, nachgeordnete Naturschutzbehörden, private Landnutzer oder Manager von Reservaten und Nationalparks angestrebt." Indem sie die südafrikanischen und namibischen
Partner vollständig in Entscheidungsfindung, Budgetverteilung und Umsetzung der Ergebnisse integrieren, erhoffen sich die Marburger Wissenschaftler zudem, "den erwarteten Nutzen in besonderem Maße sicherzustellen", so Kirk.
 
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