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Text von Donnerstag, 6. Dezember 2007

> s o z i a l e s<
  
 Schlag ins Kontor: Studis weniger als Hartz IV 
 Marburg * (fjh/pm)
"Die wirt­schaftliche Lage der Studierenden hat sich in den letzten Semestern merklich verschlechtert", berichtete AstA-Sozialreferent Michael Hoffmann am Donnerstag (6. Dezember) .
Studierende, die monatlich neben den Kosten für Miete und Krankenversicherung weniger als 230 Euro zur Verfügung haben, können sich beim Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AstA) den Betrag für ihr Semesterticket zurückerstatten lassen.
Jedoch zeigt die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, dass allein in Marburg fast die Hälfte aller Studierenden unter diese Regelung fallen. Seit­dem die hessische Landesregierung die di Einführung allgemeiner Studiengebühren beschlossen hat, ist die Zahl der gestellten Anträge um über 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
"Die Studiengebühren sind hierbei nicht der einzige Kostenfaktor", erklärte Hoffmann. "Die steigenden Mieten, explodierende Energie-Kosten sowie die Mehrwertsteuer-Erhöhung und höhere Preise für Lebensmittel können nicht vernach­lässigt werden."
Der AStA hat im vergangenen Haushaltsjahr 43.000 Euro für den Sozialfonds zur Verfügung gestellt. "Viele An­tragstellerInnen sind ohne diese Summe nicht dazu in der Lage, ihre Krankenversicherung oder Lebensmittel zu bezahlen", berichtete AstA-Referent Marcel Hennes. "Die momentanen finanziellen Möglichkeiten des AStA reichen nicht mehr aus, um allen AntragsstellerInnen das ihnen zustehende Geld auszuzahlen."
Die durchschnittlich 170 Euro, die diese Studierenden monatlich zur Verfügung haben, müssen für Essen, Bücher, Strom, Kleidung und laufende Ausgaben reichen. Zudem muss jeden Monat ein Teil des Geldes für die Immatrikulationsgebühren des nächsten Semesters zurückgelegt werden. Wenn dann noch weitere Kosten hinzukommen sieht es schlecht aus.
Auf Grund ihrer miserablen finanziellen Lage stehen viele Studierende vor der Entscheidung, das Studium abzubrechen oder sich mit Hilfe eines Darlehns zusätzlich zu verschulden.
"Die Möglichkeit des Darlehns ist auf Grund der Verzinsung nicht nur eine kostspielige Angelegenheit, sondern schreckt vor allem jene Menschen ab, die aus einem sozial schwachen Hintergrund kommen", führte Hoffmann weiter aus. Manche kämen aus hoch verschuldeten Elternhäusern, haben einen Migrations-Hintergrund oder seien aufgrund von modularisiertem Studium und angespannter Arbeitsmarkt-Situation nicht dazu in der Lage, neben dem Studium zu arbeiten. "Wer eh schon kein Geld hat, wird sicherlich vermeiden wollen, neben extrem viel Zeit ohne Verdienst noch 15.000 Euro Schulden in die Ausbildung zu investieren."
Auch die Möglichkeit eines Nebenverdiensts sei durch die Bologna-Reformen extrem erschwert worden. "Studierende in Bachelor- und Master-Studiengängen haben heute überhaupt keine Zeit mehr, um neben dem Studium arbeiten zu gehen", berichtete Hoffmann. Darüber hinaus müssen die meisten Studierenden mittlerweile in den Semesterferien, in denen sie früher Geld verdienen konnten, Prüfungen und unbezahlte Pflichtpraktika ableisten. Das verschärft die finanzielle Situation noch zusätzlich.
Daher fordert der AStA Marburg, dass die CDU-Regierung ihren Kurs ändert und endlich eine studierendenfreundliche Politik betreibt. Dazu gehöre nicht nur die Rücknahme des "Studienbeitrags-Gesetzes, sondern genauso eine Abkehr vom Vorhaben der Ökonomisierung der Bildung.
 
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