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Text von Dienstag, 27. November 2007

> s o z i a l e s<
  
 Oh Tannenbaum: Advents-Posse auf dem Richtsberg 
 Marburg * (fjh/pm)
Ein Baum bringt die Bewohner des Marburger Stadtteils Richtsberg auf die Palme. Inzwischen hat sich die Geschichte zu einem traurigen Possenspiel entwickelt. Dabei sollte der Weihnachtsbaum doch eigentlich Freude auf den Richtsberg bringen.
Der Ortsbeirat hätte zur Advents- und Nikolaus-Feier gerne einen Tannenbaum aufstellen lassen. Die Stadt Marburg hingegen hatte beschlossen, im gesamten Stadtgebiet nur noch vier Weihnachtsbäume aufzustellen. Der gewünschte Standort auf dem Richtsberg war dabei nicht vorgesehen.
Das wurmte indes Erika Lotz-Halilovic. Schließlich hatte der Ortsbeirat einen Spender gefunden, der ihm einen geeigneten Baum überlassen wollte. Der hätte nur noch gefällt werden müssen.
Das könne ja vielleicht die Feuerwehr erledigen, hatte Oberbürgermeister Egon Vaupel ihr vorgeschlagen. Doch ein Vertreter der Feuerwehr wandte ein, dass der Wehr das nötige Gerät dafür fehle. Das wiederum besitze der Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg (DBM).
Ein Schwarzer-Peter-Spiel begann, an dessen Ende der Vorschlag stand, der Verein "Soziale Stadt Richtsberg" solle den Baum doch aufstellen und die Kosten dafür tragen.
Das hätte nach Einschätzung von Lotz-Halilovic indes bedeutet, dass die Aktiven des Ortsbeirats ein Großteil der Arbeit selbst ehrenamtlich hätten leisten müssen. Dazu war sie verständlicherweise nicht bereit. Ihrer Ansicht nach ist es Aufgabe der Stadt, Weihnachtsbäume in ihrem Stadtteil aufzustellen.
Als Außenstehender gerät man da leicht ins Grübeln: Haben die Bewohner des Richtsbereg keine anderen Probleme als "ihren" Weihnachtsbaum? Sind die sozialen Probleme und die überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsrate dort kurz vor der Adventszeit auf einmal schlagartig vergessen? Ist Weihnachten und der traditionelle Baum wirklich so wichtig?
Vielleicht ist es aber gerade der traurige Alltag in dieser "Plattenbau"-Siedlung, der den leuchtenden und geschmückten Baum so wichtig macht. Vielleicht sieht man dort oben ja nur in der Adventszeit strahlende Kinderaugen. Vielleicht ist der Tannenbaum hier tatsächlich noch das vielbesungene Symbol der Hoffnung.
 
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