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Text von Freitag, 25. Mai 2007

> s o z i a l e s<
  
 Starker Streik: Neuselters als Vorbild für alle 
 Marburg * (ule/pm)
"Löhnberg muss Schule machen!" Mit diesen Worten kommentierte der hessische Bundestagsabgeordnete Werner Dreibus am
Donnerstag (24. Mai) die Beendigung des Arbeitskampfes im Nestlé-Tochterunternehmen Neuselters Mineralquelle.
Acht Tage lang hatten die etwa 100 Beschäftigten im mittelhessischen Löhnberg dem Nestlé-Konzern den Hahn zugedreht, weil er durch Tarif-Flucht ihre Einkommens- und Arbeitsbedingungen deutlich verschlechtern wollte. Die geplanten Streichungen sind aber nun vom Tisch.
Für die Beschäftigten von Neuselters gilt künftig ein Haus-Tarifvertrag, der in großen Teilen mit dem Tarifvertrag Mineralbrunnen in Hessen übereinstimmt. Er sieht unter anderem eine Entgelt-Erhöhung um 2,1 Prozent rückwirkend zum 1. April vor.
Dreibus hofft, dass der erfolgreiche Arbeitskampf der Löhnberger vor allem den streikenden Beschäftigten der Telekom Mut machen wird. "Nestlé hat offenbar die Entschlossenheit seiner Belegschaft unterschätzt", analysierte der gewerkschaftspolitische Sprecher der Linkspartei im Deutschen Bundestag. "Auch Telekom-Chef Obermann wird sich noch wundern müssen".
Dreibus kritisierte zudem die regionale Telekom-Führung für ihr massives Vorgehen gegen die Streikenden. Am Donnerstag (24. Mai) wurde bekannt, dass sie in Hessen gezielt die Service-Monteure unter Druck setzt. In "Ermahnungsschreiben" wurden den Betroffenen arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht, weil sie einseitig festgestellten Notdienst-Verpflichtungen des Arbeitgebers nicht nachgekommen waren.
"Derartige Einschüchterungsversuche machen das demokratische Recht, sich zur Wehr zu setzen, obsolet", erklärte Dreibus.
Der Politiker machte abschließend darauf aufmerksam, dass auch die Beschäftigten bei Euker-Druck in Marburg seit Donnerstag (24. Mai) in den Warnstreik getreten sind. Der Betrieb hatte vor kurzem den Arbeitgeberverband verlassen und plant Absenkungen der Löhne um etwa 20 Prozent.
"Neuselters, Telekom und Euker-Druck sind nur die aktuellsten Beispiele massiver Angriffe auf die Beschäftigten, wie wir sie seit einigen
Jahren erleben", beklagte Dreibus. "Jetzt hat Neuselters ein Zeichen gesetzt, dass den Kollegen Mut machen wird, weiterzukämpfen".
 
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