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Text von Mittwoch, 18. April 2007

> s o z i a l e s<
  
 Kinderfreundliche Läden: Betriebliche KiTa im Kaufpark? 
 Marburg * (sts)
In regelmäßigen Abständen treffen sich die Mitglieder des "Marburger Bündnisses für Familien" um sich gegenseitig über ihre Projektarbeit zu informieren. Das 2005 eingerichtete Kuratorium, in dem sich Vertreter aus Wirtschaft, Handel, Universität, Kirchen, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden für eine familienfreundliche Politik einsetzen, traf sich am Dienstag (17. April) im Bauamt.
Ein interessantes neues Projekt wurde von der Gruppe "Kinderbetreuung" in die Wege geleitet. Schon bei der Sitzung des Bündnisses im September 2006 hatte Werner Meyer von der Jugendhilfe-Planung der Stadt Marburg das Konzept "KiT- im Unternehmen" (KiT-U) vorgestellt.
Hinter "KiT" verbirgt sich die Idee von Krippenplätzen in Tagespflege. Eine von der Stadt angestellte Erzieherin betreut in einer ebenfalls von der Stadt angemieteten Wohnung als Tagesmutter bis zu fünf Kinder. Entsprechende Einrichtungen existieren bereits in Cappel, Weidenhausen und "Unter dem Gedankenspiel". Im laufenden Kindergarten-Jahr werden dort 15 Kinder betreut. Da sich "KiT" als ein äußerst flexibles Modell erwiesen hat, sollen voraussichtlich für das kommende Kindergarten-Jahr zehn
weitere Plätze finanziert werden.
Ganz ähnlich ist auch das "KiT-U"-Projekt angelegt. Eines oder mehrere Unternehmen richten - abhängig vom Bedarf - eine betriebliche Kinderbetreuung ein. Diese Einrichtungen sollen - wie auch bei dem reinen KiT-Projekt - eng mit einer Kindertagesstätte vor Ort kooperieren, damit sie bei Krankheit oder Urlaub der Tagesmutter die Kinderbetreuung übernehmen kann.
Das fertig ausgearbeitete Konzept ist bisher aber noch in keinem Fall umgesetzt worden. In Kooperation mit dem "Werbekreis Kaufpark Wehrda" könnte sich das nun aber ändern. Auf Initiative der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind erste Gespräche zwischen Stadt und Werbekreis geführt worden.
"Wir haben einen Fragebogen entwickelt, um die Bedarfe vor Ort zu ermitteln", sagte Dr. Ruprecht Bardt von der IHK Kassel. "Ich werde den Fragebogen bei der Vorstandssitzung in der kommenden Woche vorstellen. Anschließend wird er an die Unternehmen im Kaufpark Wehrda verteilt", bestätigte Wolfram Kühn, der Vorsitzende des Werbekreises.
Abhängig vom Ergebnis dieser Befragung werden dann die nächsten Schritte in die Wege geleitet. Bardt könnte sich beispielsweise die Gründung eines Vereins vorstellen, durch den die Kinderbetreuung organisiert wird.
Auch über mögliche Räumlichkeiten wurde bereits nachgedacht. Das komplett mit Spielzimmer eingerichtete Musterhaus vor dem in Wehrda ansässigen Baumarkt könnte ein geeigneter Ort für die Kinderbetreuung sein.
"Wir müssen jetzt erst einmal feststellen, ob überhaupt ein Bedarf besteht. Sollte dies nicht der Fall sein, würde die Idee auch nicht umgesetzt", wollte Kühn sich an keinen Spekulationen beteiligen.
Der Trend bei den Unternehmen gehe zunehmend hin zur Befürwortung betrieblicher Kinderbetreuung. Der Grund hierfür liege nicht zuletzt in der demografischen Entwicklung.
"Der zu erwartende Fachkräfte-Mangel macht es den Unternehmen unmöglich, mehrere Jahre auf etablierte Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter zu verzichten. In den nächsten Jahren werden sich viele Modelle betrieblicher Kinderbetreuung entwickeln", glaubt Barth. Langfristig könnte sich dadurch als positive Konsequenz aus dem demografischen Wandel eine familienfreundlichere Gesellschaft entwickeln.
 
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