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Text von Donnerstag, 22. März 2007

> s o z i a l e s<
  
 Leichte Sprache: Stadt streicht Behörden-Deutsch 
 Marburg * (sts)
Viele Informationen und Formulare der städtischen Verwaltung sind im schwer verständlichen "Beamten-Deutsch" verfasst. Selbst der Durchschnittsbürger wird aus den Verklausulierungen nicht immer schlau. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten ist es meist unmöglich solche Texte zu verstehen. Einstimmig beschloss der Sozialausschuss am Mittwoch (21. März) einen Antrag der Marburger Linken zur verstärkten Verwendung von "Leichter Sprache" in Verlautbarungen der Stadt.
Die Prinzipien für "Leichte Sprache" sind die Verwendung von kurzen Sätzen, die Vermeidung von Fremd- und Fachwörtern, die Erklärung schwieriger Wörter und der Einsatz von Bildern zur Erläuterung des Textes. Nach Vorstellung von Eva Gottschaldt von der Marburger Linken könnten beispielsweise Hinweise zur Mülltrennung oder Fahrpläne in "Leichter Sprache" formuliert werden.
"Auch minderbegabte Menschen haben das Recht auf politische Partizipation", sagte die Stadtverordnete. Ulrich Severin von der SPD forderte, dass das Erlernen der "Leichten Sprache" in das jährliche Fortbildungsprogramm für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung integriert wird.
Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach machte aber deutlich, dass nicht jede Veröffentlichung der Stadt in "Leichter Sprache" formuliert werden könne. Zunächst sollten die Verlautbarungen, die sich direkt an die Betroffenen richten, auf ihre Verständlichkeit überprüft werden.
Auch Hannelore Gottschlich von der CDU meinte, dass man "realistisch bleiben müsse". Ihre Fraktion enthielt sich zu dem getrennt abgestimmten Punkt die "Leichte Sprache" in die Fortbildungsmaßnahmen der Stadt zu integrieren. Zudem stimmten alle Fraktionen gegen den Vorschlag der Marburger Linken Übersetzungsaufträge über die Lebenshilfe an Büros für "Leichte Sprache" zu vergeben. Man wolle zunächst noch den Behindertenbeirat dazu hören, hieß es.
Die Stadtverordnetenversammlung in Kassel hat bereits im Januar 2007 einen entsprechenden Antrag einstimmig angenommen und 30.000 Euro für dieses Konzept in den Haushalt eingestellt. Die Formulierung des dortigen Antrags wurde für Marburg übernommen. Als Beispiel für einen Text in "Leichter Sprache" sei der Wortlaut an dieser Stelle wiedergegeben:
"Die Stadt Marburg soll mehr Informationen und Formulare für Anträge in leichterer Sprache machen. Das ist wichtig, damit Menschen mit Lernschwierigkeiten weniger Probleme haben. Möglichst alle Menschen sollen verstehen, welche Angebote und Rechte es in der Stadt gibt. Sie sollen auch verstehen, was sie tun müssen. Der Behindertenbeirat soll gefragt werden, was zuerst gemacht wird."
Mehr Informationen zu "Leichter Sprache" gibt es unter www.people1.de und http://www.lebenshilfe-angesagt.de/wegweiser/sprache.htm.
 
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