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Text von Sonntag, 9. Dezember 2007

> p o l i t i k<
  
 Unverschämt lange: 30 Jahre Bürgermeister Santrot 
 Marburg * (ute)
Einen neuen Bürgermeister wählen die 80.000 Einwohner der französischen Partnerstadt Marburgs im März 2008. Um die Ereignisse in den nächsten Monaten zu verstehen, kommt man an einer Betrachtung des Erbes des seit 30 Jahren amtierenden Bürgermeisters Jacques Santrot nicht vorbei.
Von den Bewohnern Poitiers seit 1977 fünfmal wiedergewählt, benennt Santrot mit einem Schmunzeln auf seinen Lippen seine politische Gesinnung: "Ich bin der letzte der Marxisten".
Unter Santrot wurde in Poitiers - wie in Gesamt-Frankreich - eine große Anzahl von Kinderkrippen-Plätzen geschaffen, da französische Frauen ihren Nachwuchs schon im Säuglingsalter betreuen lassen, um arbeiten zu können.
Santrot hat sich in seinen ersten Amtsjahren vor allen Dingen für die Verbesserung der Lebensqualität in den Stadtteilen Poittiers und für die Schaffung neuer Viertel eingesetzt. Erst später hat er sich auf den Ausbau des Stadtzentrums konzentriert. 1996 wurde dort beispielsweise die neue Stadtbibliothek "m‚diathŠque" eröffnet.
Seine Gegner werfen Santrot gerne diese Prioritätensetzung vor.
Der ehemalige Physiklehrer hat sich außerdem für einen Dialog zwischen den zwölf Gemeinden der "Communauté d´agglomération de Poitiers" (CAP) engagiert. Die CAP lässt sich mit "Grossraum Poitiers" übersetzen und ist eine eigene Verwaltungseinheit mit einem selbständigen Beratungsorgan und eigenem Budget.
Mehrere große Gewerbe- und Büroflächen wurden in diesen "interkommunalen Gesprächen" ins Leben gerufen. Der Batteriehersteller "La Saft" und der französische Ölkonzern "Schlumberger" haben sich in der CAP angesiedelt.
Obwohl unter seiner Regie Arbeitsplätze geschaffen wurden, hat sich Santrot gegen die Idee des 1987 geschaffenen Vergnügungsparks "Futuroscope" ausgesprochen. Dieses Gebäude beherbergt futuristische Unterhaltungstechnologie, unter anderem ein dreidimensionales Kino-Erlebnis.
Der 69-jährige hat nicht unwesentlich die Kultur der Stadt gefördert. 21 Prozent des Stadt-Haushalts von 2007 sind für Kultur vorgesehen.
Poitiers wäre ohne Santrot heute nicht das, was es ist. Ein bisschen ähnelt er "Schmidt-Schnauze" und braust gerne auf.
Als sein Nachfolger stellt sich Alain Claeys zur Wahl. St‚phane Braconnier ist der Kandidat der Rechten. Die Mitte wird durch Philippe Mahou vertreten.
Nach langjähriger linksorientierter Regierung wird es beiden wahrscheinlich schwer fallen, sich zu behaupten. Es ist sehr gut möglich, dass Claeys als langjähriger Freund und Mitarbeiter Santrots das Amt "erben" wird.
 
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