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Text von Donnerstag, 25. Oktober 2007

> k u l t u r<
  
 Jan Garbarek: Weltklasse in der Stadthalle 
 Marburg * (jnl)
Einer der ganz Großen im europäischen Jazz gastierte am Mittwoch (24. Oktober) in der Stadthalle. In der Stammbesetzung seines Quartetts kamen mit Jan Garbarek der Pianist Rainer Brüninghaus und der Weltklasse-Schlagzeuger Manu Katch‚. Am Bass vertrat Yuri Daniel den erkrankten Eberhard Weber.
Garbarek war in den vergangenen 20 Jahren mehrmals in Marburg. Eine vielköpfige, treue Fangemeinde aus allen Altersgruppen sorgte auch diesmal wieder für ein nahezu ausverkauftes Konzert.
Zu - aus dem Off eingespielten - Sturmwind-Klängen blies Garbarek eingangs sein erstes Solo. Von Beginn an nahm sein melodiös eingängiger Saxophon-Sound gefangen. So entführte er das Publikum in phantasievolle Traumlandschaften.
Sein letztes Album hieß nicht zufällig "In Praise Of Dreams". Seine Musik läd zum Abtauchen in alltagsferne Innenwelten ein. Diese träumerische Emotionalität macht Garbarek für breite Hörerschichten attraktiv.
Garbarek ist ein Grenzgänger zwischen Jazz, Klassik und der traditionellen Musik Nordeuropas. Gemeinsam schuf sein kleines Ensemble eine dichte, atmosphärische Klangwelle, in der Garbareks klares, majestätisches Saxophon-Spiel dominierte. Über der erstklassigen Rhythmus-Gruppe erhoben sich abwechselnd die weiten Melodie-Bögen des Saxophons oder des Pianos.
Brüninghaus zeigte sich als handwerklich versierter Könner, der das E-Piano gegenüber dem Flügel bevorzugte. Seinen Soli fehlte indes die Leichtigkeit und Inspiration, um wirklich zu begeistern. Das ganze Konzert über wirkte er etwas angestrengt und lächelte kein einziges Mal.
Der als Ersatz für Eberhard Weber eingesprungene Yuri Daniel bot eine solide Leistung. Er überzeugte im Zusammenspiel, gab aber keine herausragenden Impulse mit seinen Soli.
Der neu in die Stammbesetzung des Garbarek-Quartetts gekommene Manu Katch‚ erwies sich hingegen als Götterbote. Sein feinfühlig federndes Spiel gab dem Sound nicht nur Basis, sondern Strukturen und qualitative Wucht. Das schaffte er, ohne sich jemals außerhalb seiner Soli in den Vordergrund zu drängen.
Mehrmals erhielt er begeisterten Szenenapplaus. Der sonnig lächelnde, drahtige Jüngste in der Gruppe war der eigentliche Gegenpart zu Garbarek und keine Sekunde langweilig.
Jan Garbarek selber wechselte beständig zwischen Tenor- und Sopransaxophon und spielte in einer kurzen Passage auch Querflöte. Seine unverwechselbare Klangschrift schwang sich melodieintensiv und von elegischer, sublimer Schönheit durch den Saal. In seinen Improvisationen steigerten sich die - zuvor gemächlich den Flug der Seevögel suggerierenden - Tempi immer wieder aus Meditationen zu ekstatischer Intensität.
Nach einem - einschließlich Zugaben - knapp zweistündigen Konzert erhob sich rund die Hälfte des Publikums zu stehenden Ovationen. Der 60-Jährige Norweger hatte sich in bester Verfassung und musikalisch auf der Höhe seiner 40-jährigen Bühnenlaufbahn gezeigt. Mit Sicherheit werden die meisten Anwesenden auch bei Garbareks nächsten Konzert in der Region wieder dabeisein.
 
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