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Text von Freitag, 29. Juni 2007

> k u l t u r<
  
 Weither weniger: Mysterienspiel über Elisabeth 
 Marburg * (fjh/pm)
Die Premiere des Mysterienspiels "Elisabeth - Keine wie wir" findet am Samstag (7. Juli) in der Elisabethkirche statt. Auf Anregung des Marburger Dekans Helmut Wöllenstein hat sich das Musiktheater Dingo aus Hofgeismar, das seit 1999 einen Schwerpunkt auf die Verbindung mittelalterlicher Stoffe mit der entsprechenden Musik spezialisiert hat, mit Elisabeth von Thüringen auseinandergesetzt. An Elisabeths 800. Geburtstag ist nun das Ergebnis zu erleben.
"Eigentlich wollte ich an den Stoff gar nicht heran", berichtete der Autor des Stücks. "Heiligen-Verehrung ist nicht meine Sache. Und es erschien mir billig, im Jubiläumsjahr auf einen Zug aufzuspringen."
Dr. Lothar Jahn hat das Stück trotzdem geschrieben. Der Stoff habe ihn gefesselt, betonte er.
Weniger die Verklärung Elisabeths durch die Romantik, sondern mittelalterliche Original-Quellen geben den Ton des Mysterienspiels vor: allem voran die "Vita St. Elisabethae" des Mönchs Dietrich von Apolda und die Berichte der drei Dienerinnen Guda, Ysentrud und Irmingard über ihr Zusammenleben mit Elisabeth.
Jahn organisiert auch den jährlichen Minnesänger-Wettstreit, den das Mittelalter-Magazin "Karfunkel" präsentiert. In dem mehr als zweistündigen Stück zeigt er, wie die junge ungarische Königstochter (Eva Wachter) in die von Prunk, Pomp - aber auch Poesie - geprägte Welt des Thüringer Hofes gelangt. Sie bleibt hier ein Fremdkörper, denn sie ist erschrocken vom Leid der Krüppel, Bettler und Kriegsopfer vor den Toren der Wartburg.
Nach dem frühen Tod ihres Bräutigams Hermann möchte man die unbequeme Braut zurück nach Ungarn schicken. Doch dann verliebt sich der kommende Landgraf Ludwig (Sebastian Stüer) mit einer Wucht und Entschiedenheit in sie, die alle Chronisten des Mittelalters verblüfft hat.
Die beiden heiraten und erleben das ganz große Glück, bis ein anderer Mann in Elisabeths Leben tritt: der Kreuzzugs-Prediger und Ketzer-Jäger Konrad von Marburg (Peter Will)!
Der finstere Charismatiker wird Elisabeths Beichtvater und holt sie nach dem Kreuzzugs-Tod ihres Mannes in seine Stadt, wo sie gemeinsam mit ihren Dienerinnen ein Hospital aufbaut.
Das Musiktheater Dingo verbindet die Schlaglichter auf Elisabeths Leben mit Musik und Lyrik ihrer Zeit: Geistliches und Weltliches aus den Carmina Burana, den Cantigas de St. Maria, der Jenaer, Colmarer und Manessischen Liederhandschrift. Der höfische Glanz und die sehnsuchtsvolle Melancholie des Minnesangs gehören ebenso dazu wie die demütige Innigkeit klösterlicher Klänge. Erfahrene Instrumentalisten mit einem mittelalterlich geprägten Instrumentarium unterstützen die Stimmung des Stücks nachhaltig.
Ab September geht die Gruppe mit dem Stück auf Tournee. Aufführungen in Nordhessen, Thüringen und Niedersachsen sind geplant.
Die Aufführung in der Elisabethkirche beginnt um 21 Uhr. Der Eintritt ist frei. Deshalb empfiehlt sich ein frühes Kommen, um gute Plätze zu bekommen.
 
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