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Text von Sonntag, 29. April 2007

> k u l t u r<
  
 Colosseum: Rock-Band gastierte in Marburg 
 Marburg * (jnl)
Sie kamen , sahen und eroberten das tausendköpfige Publikum im Sturm. Am Samstag, (28. April) gastierte die legendäre Jazz-Blues-Band Colosseum auf Einladung des Kulturladens KFZ in der Marburger Stadthalle. Das Konzert mit den fünf Weltklasse-Musikern war erneut ausverkauft. Bereits 2005 hatte die Band an gleicher Stelle ähnlich erfolgreich abgeräumt. Sie lieben es, nach Marburg zu kommen, verkündete der Sänger auf Deutsch von der Bühne.
Die Fusion aus Jazz, Rock und Blues, für die Colosseum berühmt ist, wirkt nach wie vor quicklebendig und unerreicht. Die Musiker präsentierten sich allesamt in kraftvoller Verfassung. Ihre zu Klassikern der Musikgeschichte gewordenen Stücke aus den späten 1960er Jahren klangen frisch und virtuos.
Beginnend mit "Skelington" machten weitere Titel des legendären Albums "Colosseum live" von 1971 wie "Stormy Monday Blues", "Rope Ladder to the Moon" und als zweite Zugabe "Lost Angeles" die Hälfte des Programms aus. Vervollständigt wurde es durch ebenso bekannte Titelstücke wie die dreiteilige "Valentyne Suite" von 1969 und den von Clem Clempson komponierten "Tomorrow's Blues" von 2003. Bei dem bislang unbekannten Jack Bruce Song "Morning Story" zeigte der Bassist Mark Clarke, dass auch er als Sänger brillieren kann.
Der Sound war dicht gewebt aus einfühlsamem Zusammenspiel und zahlreichen Soli. Es ergaben sich viele musikalische Dialoge zwischen E-Gitarre, Saxophon, Keyboards, Bass und Sänger. In Erinnerung bleibt besonders eine Aktion Chris Farlowes, der sich scattend in ein ausklingendes Solo Barbara Thompsons einklinkte, wie es unnachahmlich nur er kann.
Der Bandleader Jon Hiseman gab am Schlagzeug eine vibrierende, druckvolle Vorstellung davon, was ein exzellenter Drummer vermag. Während des Konzerts verzichtete er auf eigene Soli. Sein als erste Zugabe der Band firmierende 15-minütige Solo-Präsentation enthielt neben strahlendem Können aber durchaus überraschende Passagen. Zusammen mit dem durch schöne Gesangseinlagen hervortretenden Bassisten Mark Clarke legte er die rhythmisch pulsierende Basis für den Sound.
Der großartige Keyboarder Dave Greenslade agierte solomäßig eher zurückhaltend. In vielfältigen Klangfarben sorgte er für einfühlsame Konturen und Finessen. Die Saxophonistin Barbara Thompson, die eine schwere Erkrankung offenbar gut überstanden hat, zog mit viel Energie und Einfallsreichtum immer wieder in Sololäufen die Aufmerksamkeit auf sich.
Als herausragendster unter diesen fünf Ausnahmemusikern erwies sich an diesem Abend der Gitarrist Clem Clempson. Seine überaus präzisen, gefühlvoll intonierten Soli begeistern das Publikum wiederholt zu Szenen-Applaus. Clempson kann ohne Weiteres in einem Atemzug mit Eric Clapton genannt werden.
Der Sänger Chris Farlowe schien gesundheitlich etwas angeschlagen zu sein. Wenn er stimmgewaltig wie in jüngeren Jahren seine kunstreich aufgebauten Scat-Phrasierungen herausröhrte, merkte man davon kaum etwas. Er brauchte allerdings oft Auszeiten. Auch er erzielte ein paarmal Extra-Beifall. Clarke und Clempson steuerten zudem mehrfach Backing Vocals bei.
Am Schluss des Abends fand sich der größte Teil des Publikums zu stehenden Ovationen bereit. Die virtuosen Solisten von Colosseum hatten auf der ganzen Linie überzeugt und einen Ohrenschmaus sondergleichen geboten. Ein großes Lob gebührt dabei dem Tontechniker und der Bühnenbeleuchtung. Beide überzeugten durch eine solide und vor allem unaufdringliche Leistung ohne grelle Akzente. Die Akustik im Saal war makellos und nie zu laut ausgesteuert. Ein solches Konzert gehört zu den Highlights des Jahres. Es wäre durchaus folgerichtig, Colosseum in zwei Jahren erneut in Marburg zu erleben.
 
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