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Text von Donnerstag, 8. März 2007

> k u l t u r<
  
 Ebert: Physik als Comedy-Programm 
 Marburg * (jnl)
Lässt sich Physik als massentaugliches Kabarett-Programm inszenieren? Der Comedian Vince Ebert trat am Mittwoch (7. März) mit diesem Anspruch im Auditorium Maximum (AudiMax) der Philipps-Universität an. Sein mehr als zwei Jahre altes drittes Solo-Programm "Urknaller - Physik ist sexy" lief erstmals in Marburg.
Der 38-jährige Frankfurter suchte durch Fragen ins Publikum von Beginn an engen Kontakt. Der gelang ihm nicht zuletzt wegen der an den Raum angepassten Akustik seines Headset-Verstärkers nur eingeschränkt. Das gleichmäßig alle Altersgruppen umfassende Auditorium reagierte freundlich, aber nie mit frenetischem Beifall.
Insbesondere die zahlreich erschienenen Frauen verstand Ebert mit launigen Anspielungen auf die Schwächen der Männer hörbar auf seine Seite zu ziehen. Seine athletische Figur ohne Rettungsringe war da sicher auch ein Pluspunkt.
Das aus zweimal 50 Minuten gebaute Gag-Feuerwerk befasste sich zu über 90 Prozent nicht mit Physik, sondern bevorzugt mit denen, die Physik betreiben. Die harte Naturwissenschaft ist bekanntlich notorisch eine Männerdomäne. Selbst heutzutage sind die Studienanfänger gerademal zu 20 Prozent weiblich.
Dieses unausgeglichene Verhältnis führte zu zahllosen Witzeleien. Was haben Frauen und Magnetfelder gemeinsam? - beide lenken ab und verrichten keine Arbeit.
Dass ein typischer Physik-Student ausgerechnet beim Party-Flirt mit Lernstoff loslege, bedient das rauschebärtige Klischee vom ewig weltfremden Physiker. Vince Ebert erzielte damit in mehreren Varianten einen Lacher.
Der Diplom-Physiker schöpfte manche Anekdote aus eigenen Erlebnissen an der besonders konservativen Universität Würzburg. Jene Zeit liegt über zwölf Jahre zurück. Seitdem hat er für Werbeagenturen gearbeitet, aber nie als Physiker, bevor er 1998 als Standup-Comedian startete.
Anders als die meisten Comedy-Kollegen schlüpft er auf der Bühne nicht in eine erkennbare Kunst-Figur. Mit jungenhaftem Charme präsentiert er sich in Jeans und Turnschuhen als "er selbst". Die eigene Herkunft aus der tiefsten , kleinstädtischen Provinz diente zum "Herunterholen" der Einsteinschen Relativitätstheorie auf das Maß des Alltagsmenschen. Zeit vergeht extrem relativ - je nachdem ob die Energie eines Dorfs oder einer Großstadt darauf lastet.
Wann ist der Himmel blau? Die altbekannte Kinder-Frage beantwortete Ebert physikalisch korrekt, aber lustigerweise mit vornehmlich körpersprachlichen Mitteln. Die blauen Lichtquanten haben halt die passende Wellenlänge, um hinreichend viele Staub-Schwebeteilchen anzustoßen.
Hat die Frage "Was ist Leben?" eigentlich mit Physik zu tun? Die meisten Leute einschließlich der Physiker würden das verneinen. Ebert machte nun darauf aufmerksam, dass Erwin Schrödinger das geklärt habe. Dem gemäß sei Leben gleich Energie plus Struktur. Denn dass sich Moleküle nicht schlicht gemäß der Entropie verhielten, das sei nunmal Physik. Und die wirklich "abgefahrenen Typen" seien eben die Theoretischen Physiker.
Den selbstgestellten Anspruch, ein veritables Wissenschafts-Kabarett zu bieten, wurde Vince Ebert leider nicht ganz gerecht. Aber den allermeisten Zuschauern scheint es doch ganz gut gefallen zu haben.
 
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