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Text von Freitag, 9. Februar 2007

> k u l t u r<
  
 Die Zauberprinzen: Varieté in der Waggonhalle 
 Marburg * (sts)
Es gibt einen gewichtigen Unterschied zwischen den "Zauberprinzen" auf der Bühne der Waggonhalle und dem "weißen Ballett" im Santiago-Bernab‚u-Stadion zu Madrid. Die besten Fußballer in einem Team garantieren noch lange keine begeisternden Spiele. Die besten Zauberer in einem Varieté-Programm hingegen beflügelte der gemeinsame Auftritt in punkto Experimentierfreude und Improvisationskunst.
Gemeinschaftliche Experimentierfreude konnte das Publikum bei der Premiere der "Zauberprinzen" am Donnerstag (8. Februar) in Marburgs gut gefüllter Varieté-Hochburg bewundern. Ein Varieté-Programm nur mit Zaubernummern zusammenzustellen, birgt eigentlich das Risiko, künstlerisch einseitig zu werden. Geschickt umschifften die Künstler diese Klippe, indem sie die komischen Aspekte der Zauberei betonten und die Interaktion miteinander sowie mit dem Publikum suchten.
Der phlegmatisch-schwerfällige und offensichtlich Psychopharmaka-abhängige "Dexter" verzettelte sich zutiefst in seiner komplizierten Zaubernummer mit insgesamt drei Publikumskandidaten. Still und heimlich wollte er schon nach Misslingen seines Zauberspruchs "So!" die Bühne verlassen, doch die Zauber-Kollegen hielten ihn zurück.
"Dann machen wir es eben auf die coole Art", hieß es unvermutet-selbstbewusst aus seinem Munde. Und siehe da: Auf einmal hatten Karte und Kaugummi doch auf mysteriöse Weise ihren Weg in den Umschlag der Kandidatin gefunden.
Richtig zu kämpfen mit seinem Gast aus dem Publikum hatte "Graf Dracula" von den "Zauderern" aus Berlin. Mit verbundenen Augen, nur mit Hilfe seiner fledermaushaften Echo-Ortung wollte er erraten, an welches Wort die Lehrerin aus Kirchhain dachte. Sie sollte sich ein beliebiges Wort aus dem Roman "Der Hund von Baskerville" suchen, hatte aber unglücklicherweise ihre Brille nicht dabei.
"Da muss man 1700 Jahre leben, um so eine Scheiße zu erleben", fluchte der Fürst der Finsternis, dessen Stimmlage und Akzent stark an Comedian Kurt Krömer erinnerten. Mit Hilfe der Zauber-Kollegen konnte dann schließlich noch ein Wort ausfindig gemacht werden, das Dracula auch richtig erriet.
Auch bei den Initiatoren der "Zauberprinzen", dem Duo "JungeJunge" aus Stuttgart, verlief nicht alles nach Plan. Doch trotz plötzlich aussetzender Musik war ihre spektakuläre Nummer um einen eleganten Briten und einem Schuhputzer im New York der 20er Jahre eine Klasse für sich. So schnell wie darin ein Paar Schuhe die Farbe wechselte und ein Kopf - von Messern durchbohrt, um 360 Grad gedreht - plötzlich verschwinden konnte, das war auch für die findigsten Zuschauer nicht mehr nachzuvollziehen.
Und wer nun glaubt, es sei schon zuviel verraten worden: Jeder Auftritt der "Zauberprinzen" an diesem Wochenende wird neue Überraschungen bergen. Mit der Premieren-Vorstellung wurde nur der Grundstein für das Experimentierfeld Waggonhalle gelegt. "Die Zauberprinzen" sind noch am Samstag (10. Februar) um 20 Uhr und am Sonntag (11. Februar) um 18 Uhr zu sehen.
 
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