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Text von Samstag, 24. Februar 2007

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 Osterloh: Natur-Welt und Menschen-Welt 
 Marburg * (jnl)
Wie steht es um das Verhättnis der Menschen zur Natur? Durch den alarmierenden Bericht des UN-Weltklimarats ist das derzeit ein dominantes Debatten-Thema. Können Fotos dazu eine qualitativ gültige Aussage beitragen?
Die Ausstellung zum "Licher Fotopreis" im Cafe "Rotkehlchen" der Waggonhalle bejaht diese Frage enthusiastisch. Sie wurde am Freitag (23. Februar) eröffnet.
Seit 1995 wird der Preis jedes Jahr verliehen. Seit 2003 präsentiert eine jährliche Wanderausstellung durch hessische Städte die 50 besten Motive regelmäßig auch in der Waggonhalle.
Zur örtlichen vernissage stellte der Jury-Vorsitzende Günter Osterloh nicht nur die drei preisgekrönten Aufnahmen vor, sondern auch die Jury, die Geschichte des Preises und die Regeln des Auswahl-Verfahrens.
Das Sieger-Foto ist im Wuppertaler Zoo entstanden. Es zeigt Besucher beim Fotografieren eines - im verglasten Wasserbecken tauchenden - Eisbären. So nah auf Tuchfühlung käme ein Normalbürger den großen Tieren in freier Wildbahn nie!
Der Bild-Aufbau sei sehr gelungen, lautete die Begründung der Juroren. Zugleich enthalte das Bild die leise Mahnung, Natur nicht auf Foto-Format zu reduzieren. Prämiert wurde der Wettbewerbs-Sieger mit 5.000 Euro. Gestiftet hat dieses Geld die Licher Brauerei.
Der zweite Preis ging an eine Schwarz-Weiß-Aufnahme. Sie zeigt einen Abend im Wurster Watt am leuchtturm Obereversand im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die herausragende Bild-Komposition und das darin eingefangene Licht wurden von der Leica-Akademie in solms mit einem Sachpreis von 3.000 Euro ausgezeichnet.
Das drittplazierte Bild zeigt eine frühmorgendliche Szenerie im Arches-Nationalpark im US-Bundesstaat Utah. Die staatliche Naturschutz-Akademie Hessen (NAH) hat dafür ein Preisgeld von 250 Euro ausgesetzt.
Die Jury besteht aus sechs Leuten. Drei davon sind fotojournalistisch leitend tätige Profis. Hinzu kommen drei Amateure mit langjähriger Sachkunde. Die Berufs-Fotografen sind der Bild-Chef der Deutschen Presse-Agentur (DPA), die kommissarische Leiterin der deutschen Bild-Redaktion der Agentur Associated Press (AP) und der Bild-Chef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Die Riege der Hobby-Fotografen besteht aus dem Leiter der NAH und der Pressesprecherin der Licher Brauerei. Ihr Vorsitzender ist der pensionierte Leiter der Leica-Akademie.
Aus insgesamt 11.000 eingesandten Fotos von 64 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat die Jury die 50 überzeugendsten ausgewählt. 72 der Fotografen waren 2006 aus Hessen. 359 kamen aus anderen Bundesländern. Zudem beteiligten sich 29 Menschen aus dem Ausland.
Bei der Auswahl gingen die Profis nach fotojournalistischen Aspekten vor. Der Vorsitzende bewertete vor allem die kompositorische qualität. Die beiden anderen Amateure achteten besonders auf die Natur-Komponente.
Osterloh betonte, dass bei diesem Wettbewerb keine reinen Natur-Motive gefordert und zugelassen seien, sondern immer das Spnannungsverhältnis zwischen Natur-Welt und Menschen-Welt im Zentrum stehe.
Die 50 großformatigen Aufnahmen der Ausstellung sind eine wirklich sehenswerte Auswahl für alle fotografisch Interessierten. Die Motiv-Gestaltungen in Bild-Aufbau und Licht sind beeindruckend. Teils sind die Aufnahmen bei Urlaubsreisen in den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) oder Asien entstanden. Häufiger stammen sie aus dem alltagsnahen bereich in Deutschland abseits der üblichen Sehenswürdigkeiten.
Erfreulich ist auch der kritische Impuls, der aus vielen Fotos spricht. So zeigt eines beispielsweise einen stattlichen Baum oben auf einem Industrie-Schornstein.
Einziger Wermutstropfen ist, dass auf den Fotos zwar der Wohnort des jeweiligen Fotografen vermerkt ist, meist aber nicht der Ort der Aufnahme.
Alles in allem zeigen die Fotos, dass eingangs des 21. Jahrhunderts zwischen den Europäern und dem Natur-Erleben doch ein großes Quantum Distanz und viel eigene Vermittlungs-Anstrengungen liegen. Idyllen sind die Ausnahme. Darin ist dieser Wettbewerb durchaus ehrlich und repräsentativ.
 
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