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Text von Mittwoch, 20. Dezember 2006

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 Exzellenz gewürdigt: Lill erhält acht Millionen 
 Marburg * (fjh/pm)
Mit 8,3 Millionen Euro fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Arbeit des im Jahr 2003 etablierten Sonderforschungsbereichs "Mechanismen der zellulären Kompartimentierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen" weitere vier Jahre lang. Das hat die Philipps-Universität am Mittwoch (20. Dezember) mitgeteilt.
Sprecher dieses Sonderforschungsbereichs (SFB) ist Prof. Dr. Roland Lill. Er ist Direktor des Instituts für Zytobiologie am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität.
Der SFB, dem 16 Arbeitsgruppen der Philipps-Universität und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie in Marburg angehören und dessen bisherige Arbeit vom DFG-Gutachtergremium nun als "exzellent" beurteilt wurde, hat sich zum Ziel gesetzt, wesentliche Beiträge zum Verständnis der intrazellulären Kompartimentierung sowohl in gesunden als auch in pathologisch veränderten Zellen zu erarbeiten.
Die räumliche Unterteilung von Zellen (Kompartimentierung) durch Bio-Membranen ist die Voraussetzung für die Schaffung von Reaktionsräumen, in denen spezifische biologische Prozesse ablaufen und gesteuert werden.
"In diesem SFB wollen wir insbesondere verstehen, was in bestimmten Krankheiten mit der zellulären Kompartimentierung schief läuft, und wie pathogene Erreger die zellulären Räume für ihre eigene Fortpflanzung nutzen und verändern", erläuterte Lill.
"Die neuen Geldmittel erlauben uns, in Geräte und vor allem in Mitarbeiter zu investieren, um damit international kompetitiv an wichtigen wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten", freute sich der Leibnitz-Preisträger.
Tatsächlich fließt der Großteil der Mittel in die Förderung von Nachwuchs-Wissenschaftlern: "25 Doktoranden wurden in den vergangenen Jahren allein im SFB promoviert", berichtete der Zellbiologe. Darüber hinaus arbeiten zahlreiche Postdoktoranden in den Arbeitsgruppen mit.
Zu den jüngsten Ergebnissen des SFB gehören unter anderem Erkenntnisse über die Kompartimentierung von Proteinen im Zellkern, die eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen. Ferner wird die Interaktion von Viren und ihren Wirtszellen am Beispiel von hochpathogenen Erregern wie Marburg-, Ebola- oder Nipah-Virus untersucht. Diese Untersuchungen werden im neuen Hochsicherheits-Labor auf den Lahnbergen durchgeführt werden.
Zu den Themen des SFB gehören aber auch der Stoff-Transport in und über die unterschiedlichen Membranen einer Zelle, die Verteilung von Metallen auf Kompartimente sowie die Bio-Synthese von Zell-Organellen.
Zwei neu in den SFB aufgenommene Projekte machen sich die kürzlich erfolgte Entschlüsselung des Genoms vom Maisbrandpilz Ustilago maydis zunutze. Forscher des Marburger Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie berichteten im November 2006 im Fach-Journal "Nature" über eine bislang unbekannte, aber sehr effektive Strategie des Pilzes bei der Infektion seiner Wirtspflanzen. Die molekularen Grundlagen dieser Vorgänge sollen nun eingehend bearbeitet werden.
Ein weiteres neu gefördertes Projekt widmet sich der Regulation des Blutdrucks durch die Kompartimentierung entsprechender Signal-Moleküle in bestimmten Membran-Bereichen der Zelle und bildet somit die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik. Assoziiert mit dem SFB ist seit Oktober 2006 auch die Junior-Gruppe von Dr. Christopher Horst Lillig, der nach einem Post-Aufenthalt in Stockholm wieder in Deutschland forscht.
Dem SFB wurden von der DFG nun auch Gelder zur Verfügung gestellt, um mit Schulen zu kooperieren. "Hier wollen wir sowohl in Vorträgen zu aktuellen Themen als auch durch Schüler-Praktika die jungen Leute für die Forschung begeistern", skizzierte Lill seine Pläne. Kontakte zu den Schulen wurden bereits aufgenommen. Sie sollen ab 2007 in konkrete Projekte umgesetzt werden.
 
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