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Text von Sonntag, 29. Oktober 2006

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 Rückblickend: Lenz feierte Doppel-Jubiläum 
 Marburg * (fjh/pm)
"Dankbarkeit ist eine Tugend." Mit diesen Worten begann Peter Meyer am Dienstag (31. Oktober) den Prolog zum zweistündigen Festakt anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Forschungsstelle für Personalschriften an der Philipps-Universität. Gekleidet war der Schauspieler dabei im Stile des 18. Jahrhunderts.
Im Fürstensaal des Landgrafenschlosses hatte eine prominente Gesellschaft zusammen gefunden: Weit über hundert Gäste - unter anderem aus der Politik, Abgesandte der Bundesländer Hessen, Sachsen und Thüringen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), aus der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz sowie aus Universität und Stadt - waren gekommen, um den Gründer der Forschungsstelle, Prof. Dr. Rudolf Lenz, für die Arbeit der vergangenen Jahrzehnte zu ehren.
Nationale und internationale Anerkennung hat die Forschungsstelle nach Ansicht des Universitätspräsidenten Prof. Dr. Volker Nienhaus gefunden. Zudem habe sie eine hervorragende wissenschaftliche Infrastruktur geschaffen, auf deren Schultern zahlreiche weitere Forschungsvorhaben möglich wurden. Die Feierstunde sei natürlich einerseits der Forschungsstelle gewidmet, aber eben auch dreißig Jahren der Tätigkeit von Rudolf Lenz, der zuletzt unter anderem Anerkennung fand, als er das Bundesverdienstkreuz erhielt und zum Ehrendoktor der Universität Breslau ernannt wurde.
Anschließend sprach Prof. Dr. Elke Lütjen-Drecoll als Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur zu Mainz (ADW). Der Forschungsstelle, die seit 1991 als Arbeitsstelle der ADW geführt wird, dankte Lütjen-Drecoll für ihren außergewöhnlichen und sehr erfolgreichen Einsatz, für eindrucksvolle Publikationen und auch ihre vorbildliche mediale Darstellung.
"Die Forschungsstelle gehört ganz sicherlich zu den Vorführ-Projekten der 62 ADW-Vorhaben", erklärte die ADW-Präsidentin stolz.
Sie widmet sich der Ermittlung, Katalogisierung und Auswertung von Leichenpredigten aus der Frühen Neuzeit zwischen 1550 und 1750. Damit ist sie eine einmalige historische Quelle für Themen von den Sozialverhältnissen über Familienstrukturen bis hin zu Bildungs-, Literatur- und Medizin-Geschichte.
So sind die Ergebnisse der Forschungsstelle zum Beispiel eine zentrale Grundlage der "Sächsischen Biografie", die derzeit vom Dresdner Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde erstellt wird.
"Zähigkeit, Umsicht und Elan" bescheinigte Dekan Rxhage vom Fachbeeich Geschichte der Philipps-Universität dem Forschungsstellen-Leiter Lenz. Im Laufe seiner "Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht", sei Lenz zudem dem Fachbereich immer nahe gestanden, sodass auch dieser nun mit Stolz erfüllt sei.
Gegründet worden war die Forschungsstelle für Personalschriften im Jahr 1976, zunächst mit Mitteln der Volkswagen-Stiftung und der Universität, später auch mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und schließlich der ADW. Schon 1991 wurde zudem eine Dependance in Dresden gegründet. Auch deren 15-jährigem Jubiläum galt der Festakt.
Schließlich hielt Professorin Dr. Luise Schorn-Schütte die Festrede. Eine "wirklich große Freude und Ehre", so die Vizepräsidentin der DFG und Professorin für Neuere Geschichte in Frankfurt", sei ihr dieser Tag. Sie, die in Marburg studiert hatte, habe unter anderem im Rahmen ihrer Habilitation selbst intensiv auf die Bestände der Forschungsstelle zurückgegriffen. Insbesondere deren außergewöhnliche fruchtbare Periode in den 1990er Jahren habe vielfältiges Material zur europäischen Bürgertums-Forschung geliefert, das zudem manche falsche These über die frühe Neuzeit widerlegt habe. Als Beispiel nannte sie die Vorstellung, die Eltern angesichts der hohen Sterblichkeit von Kindern eine vergleichsweise emotionslose Beziehung zu ihrem Nachwuchs unterstellt hatte. Vor allem aber hob Schorn-Schütte in ihrer Rede auf die Förderpolitik insbesondere gegenüber den Geisteswissenschaften ab: auf die Frage, ob Verbünde oder Einzelprojekte gefördert werden sollen, oder auf das Verhältnis zwischen Innovations-Potenzial und dem Risiko, Geld "zu verschleudern". Im Rahmen dieser "Grenzdebatte" habe zumindest die Forschungsstelle "immer für eine sehr solide Entscheidungsbasis gesorgt": Ihr innovativer methodischer und inhaltlicher Ansatz sei von den Entscheidungsgremien stets auf breiter Front mitgetragen worden.
 
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