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Text von Montag, 23. Oktober 2006

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 Atemlos: Forscher wollen Regenwald retten 
 Marburg * (fjh/pm)
Wie lassen sich die gefährdeten Küsten-Regenwälder Brasiliens erhalten oder regenerieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines deutsch-brasilianischen Verbund-Projekts. Daran sind auch Marburger Tier-Ökologen beteiligt.
Für das auf drei Jahre angelegte Projekt im Rahmen von "SOLOBIOMA II" (Soil Biota and Biochemistry in Southern Atlantic Rainforests of Brazil) hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) rund 310.000 Euro bewilligt. Ziel des interdisziplinären Vorhabens ist eine detaillierte Untersuchung der Ökosystem-Prozesse des Atlantischen Regenwalds (Mata Atlƒntica) und die Entwicklung praxisgerechter Klassifikations-Systeme, die den Schutz der stark bedrohten Küstenwälder unterstützen können.
An dem vom BMBF mit insgesamt zwei Millionen Euro ausgestatteten Verbund-Projekt beteiligen sich Botaniker, Zoologen, Ökologen und Bodenkundler verschiedener deutscher und brasilianischer Forschungseinrichtungen. Leiter des Marburger Projekts ist Prof. Dr. Roland Brandl von der Arbeitsgruppe Allgemeine Ökologie und Tier-Ökologie des Fachbereichs Biologie der Philipps-Universität. Dieser Arbeitsgruppe gehören auch der Wissenschaftliche Mitarbeiter Dr. Martin Brändle und der Diplom-Biologe Jochen Bihn an.
Der Atlantische Regenwald erstreckt sich entlang der brasilianischen Ostküste. Aufgrund seiner großen Ausdehnung umfasst er verschiedene tropische und subtropische Küsten- und Gebirgs-Regenwälder.
Die als "biodiversity hotspot" geltende Region ist durch eine sehr hohe Arten-Vielfalt sowie zahlreiche nur hier vorkommende Pflanzen- und Tier-Arten gekennzeichnet. Die Bio-Diversität der brasilianischen Küsten-Regenwälder ist allerdings in Gefahr: Nur noch fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Bewaldung ist im Zuge der Umwandlung in Nutzflächen erhalten geblieben.
Wie können diese Restgebiete auf Dauer als Lebensraum für Pflanzen und Tiere gesichert werden? Und wie lassen sich degradierte Flächen wieder in ein ökologisch funktionierendes Regenwald-System umwandeln?
Fragen wie diese soll "SOLOBIOMA II" beantworten, indem biogeochemische Kreisläufe und insbesondere der Abbau pflanzlichen Materials und die Wieder-Bereitstellung von Nährstoffen untersucht werden. Darüber hinaus geht es um die Frage der Bio-Diversität in den verschiedenen Stadien der Regeneration von Wäldern: Wie schnell also kehrt die Vielfalt von Organismen wie Pilzen oder Insekten, die in und auf dem Boden leben, wieder in die Wälder zurück, wenn diese auf degradierten Böden neu entstehen?
Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen schließlich in ein biologisches Klassifikations-System einfließen, das es erlaubt, die ökologische Funktionsfähigkeit der Regenwälder schnell und einfach zu beurteilen. Ein solches System kann als künftige Basis für politische Entscheidungen im Sinne von Umweltschutz und Nachhaltigkeit dienen.
Neben klassischen Methoden der Zoologie und Freiland-Ökologie wird das interdisziplinäre Projekt auch moderne mikrobiologische und genetische Methoden zum Einsatz bringen. Sie erleichtern vor allem die Abschätzung der Bio-Diversität von schwer zugänglichen Gruppen von Organismen. Insbesondere handelt es sich dabei um Pilze und andere Mikro-Organismen.
Leiter des Verbund-Projekts "SOLOBIOMA" sind Dr. Hubert Höfer und Dr. Manfred Verhaagh vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe sowie Prof. Dr. Renato Marques von der Universidade Federal do Paran  im brasilianischen Curitiba. Den wissenschaftlichen Austausch der Kooperations-Partner sollen umfangreiche gemeinsame Feld- und Labor-Aarbeiten ebenso fördern wie regelmäßige Treffen und Tagungen in Brasilien und in Deutschland. Austausch-Programme für Bachelor- und Master-Studenten werden es auch Marburger Studierenden ermöglichen, im Rahmen von Praktika und Abschluss-Arbeiten Freiland-Erfahrungen in Brasilien zu sammeln.
Geplant sind darüber hinaus Workshops in Brasilien und Deutschland sowie die Durchführung von nationalen und internationalen Symposien. Erste Ergebnisse will das Projekt-Team im Rahmen der Jahrestagung der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) vorstellen, die im Jahr 2007 in Marburg stattfinden wird.
"SOLOBIOMA" ist Teil des brasilianisch-deutschen Forschungsprojekts "Science and Technology for the Mata Atlƒntica", das im Jahr 2002 vom Brasilianischen Wissenschafts- und Technologie-Rat, dem Conselho Nacional de Desenvolvimento Cient¡fico e Tecnols
ben gerufen worden ist
 
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