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Text von Dienstag, 23. Mai 2006

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 Gebäude besetzt: Protest gegen Studiengebühren 
 Marburg * (jnl)
Nachdem das ELF-zu-DREI-Resultat der Abstimmung gegen eine Einführung von Studiengebühren im Senat der Philipps-Universität am Montag (22. Mai) vom Universitätspräsidenten Prof. Dr. Volker Nienhaus nicht als bindend angesehen wurde, haben gut 200 Studierende in einer spontanen Aktion das Verwaltungsgebäude an der Biegenstraße besetzt.
Der Kampf gegen den Verfassungsbruch und das "Recht auf Schulden-Auftürmen" gehe weiter, erklärten die Studentenvertreter. Die am Montagnachmittag erfolgte friedliche Besetzung des Verwaltungsgebäudes werde auf unbefristete Zeit fortgesetzt. Das sagten die am Morgen nach Nachtlager im Bürogebäude und Plenumsdiskussionen trotzdem frisch und zuversichtlich wirkenden Besetzer selber.
Von einer - in der Oberhessischen Presse (OP) fälschlich gemeldeten - polizeilichen Belagerung war nichts zu sehen. Nienhaus hatte von sich aus vorläufig darauf verzichtet, von seinem Hausrecht Gebrauch zu machen.
Aus zahlreichen Fenstern des Gebäudes wehten großflächige Stofftransparente, die Entschlossenheit der Besetzer zum Widerstand ausdrücken. Am einzigen nicht verbarrikadierten rückwärtigen Eingang findet man eine Trikolore. Die französische Flagge spielt an auf die erfolgreichen Studenten-Proteste im Nachbarland, die die dortige Regierung zur Rücknahme eines Gesetzes gezwungen haben.
Lebhaftes Treiben herrschte. Der Zutritt wurde Pressevertretern vorerst nicht gestattet.
Der Studienbetrieb im benachbarten Hörsaalgebäude wurde nicht beeinträchtigt. Die zur Arbeit erschienenen Verwaltungskräfte der Universität haben behelfsmäßig im Nebengebäude Notbüros eingerichtet. Das gilt auch für den Universitätspräsidenten, der sich verhandlungsbereit zeigte.
Man stehe im Einklang mit der Verfassung, betonten die Besetzer. Der Paragraph 13 der allgemeinen Menschenrechte lege ebenso wie die hessische Landesverfassung einen kostenfreien Zugang zur Hochschule eindeutig fest.
Die von der Hessischen Landesregierung vorgesehenen Kredite seien mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent schlicht sittenwidrig. In der friedlichen, basisdemokratischen Marburger Biegenstraße herrschte unerschrockene Lust an Demokratie und Zuversicht.
 
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