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Text von Samstag, 9. Dezember 2006

> s o z i a l e s<
  
 Kein Glück: Blinde verklagte Uni 
 Marburg * (sts)
6.900 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld, weil man nach erfolgter Bewerbung nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, das ist sicherlich ein Wunschtraum vieler Arbeitssuchender. Doch auch das Arbeitsgericht betätigte sich am Freitag (8. Dezember) nicht als Weihnachtsmann für eine 41-jährige Klägerin.
Die blinde Mutter von vier Kindern hatte sich im Dezember 2005 auf eine Stelle in der Datenverarbeitung bei der Philipps-Universität beworben. Im Mai 2006 erhielt die Frau schließlich wegen fehlender Qualifikation eine Absage von der Hochschule.
Laut õ82 des Sozialgesetzbuchs IX und dem neuen Gleichberechtigungsgesetz besteht für den Arbeitgeber im Fall eines schwer behinderten Bewerbers aber die Verpflichtung auf Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Einzig bei der offensichtlich fehlenden Eignung des Bewerbers darf auf das Gespräch verzichtet werden. Genau hierin bestand der Konflikt zwischen den Parteien.
Die Klägerin hatte in den 80er Jahren eine Ausbildung zur Datenverarbeitungskauffrau abgeschlossen und ist seit 1989 bei der Stadt Frankfurt als Sachbearbeiterin tätig. Über Fortbildungen in Programmiersprachen und Datenbank-Software erwarb sie im Laufe der Jahre zusätzliche Kenntnisse.
In der Stellen-Ausschreibung der Universität waren ein "Fachhochschul-Abschluss oder vergleichbare Kenntnisse" verlangt worden. Mit der praktischen Berufserfahrung und den Fortbildungen seien die vergleichbaren Kenntnisse erfüllt, argumentierte die Klägerin.
"Weder das theoretische Rüstzeug noch die praktische Berufserfahrung waren ausreichend", meinte dagegen Gerhard Groh, der Leiter des Dezernats V (Datenverarbeitung und Organisation) der Philipps-Universität vor Gericht. Zu diesem Ergebnis sei auch die Schwerbehindertenvertretung der Hochschule gekommen.
Glaubhaft konnte Grohe versichern, dass die Klägerin für die Arbeit an einer Groß-Datenbank mit der entsprechenden Software nicht vertraut sei. Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle folgte seinen Ausführungen und wies die Klage ab.
 
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