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Text von Donnerstag, 7. Dezember 2006

> s o z i a l e s<
  
 Alltäglicher Rauswurf: Rasen oder Losen um Seminare 
 Marburg * (fjh/pm)
"Es gibt Seminare, in denen weit über die Hälfte der potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder nach Hause geschickt werden", klagte die Stellvertretende AstA-Vorsitzende Karin Zennig am Donnerstag (7. Dezember).
Im vergangenen Semester startete das Projekt seminarrauswurf.de. Hierbei handelt es sich um ein Internet-Portal, über das Studierende sich direkt bei ihrem AStA melden können, falls ihnen die Teilnahme an einem Seminar, einer Übung oder an sonstigen Lehrveranstaltungen verweigert wurde.
Gut einen Monat nach dem Beginn des Wintersemesters 2006/2007 zieht der Allgemeine Studierenden-Ausschuss (AstA) eine erste Bilanz.
"Gerade im Bereich der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ist die Lage verheerend", fasste Zennig die Ergebnisse zusammen. Grund für die Überfüllung sei die Tatsache, dass bei der Erstellung des Vorlesungsverzeichnisses nicht darauf geachtet wurde, wie viele Studierende den entsprechenden Schein machen müssen. Das ist für die Betroffenen vor allem dann problematisch, wenn sich dadurch die Studienzeit verlängert, weil bestimmte Prüfungsleistungen nicht erbracht werden können.
"Dieses Projekt beweist einmal mehr, dass die Überschreitung von Regelstudienzeiten nicht an der Faulheit der Studierenden liegt, sondern viel mehr an der Unstudierbarkeit von Prüfungsordnungen und den schlechten Lernbedingungen an den deutschen Universitäten", resümierte AStA-Referent Michael Hoffmann.
Den Betroffenen droht nicht nur der Verlust der BAföG-Förderung, sondern auch zusätzliche Langzeit-Studiengebühren und in Zukunft nach dem Willen der Landesregierung auch noch allgemeine Studiengebühren.
So ist es viel mehr die Regel als eine Ausnahme, dass Studierende des Lehramts ihre ersten schulpraktischen Studien, die Teil des Grundstudiums sind, frühestens im vierten Semester erbringen können, weil es an Plätzen in den begleitenden Seminaren fehlt. "In diesem Jahr wurde über 250 Drittsemestern die Teilnahme an den entsprechenden Seminaren verweigert.
"Das ist eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass Lehramts-Studierende ihre Zwischenprüfung nach dem vierten Semester
ablegen sollen", schimpfte AStA-Vorsitzende Susanne Schmelter.
Problemlösungs-Konzepte gibt es von Seiten der Universität bis jetzt nur in Form von unterschiedlichen Methoden des Rauswurfs. Doch egal, ob ein Seminar durch Ausschluss der Erst- bis Drittsemester oder durch Losen auf die vorgesehene Größe zusammengeschmolzen wird, eines bleibt allen Methoden gemein: Sie sind unsozial und willkürlich!
Teilweise werden Seminare zur Online-Anmeldung schon vor dem angekündigten Zeitpunkt freigegeben und sind dann zum offiziellen Start bereits samt Warteliste gefüllt. "Oft wird nicht einmal versucht, eine Lösung zu finden, mit der alle Beteiligten leben können. Doch eine wirkliche Lösung der Probleme kann nach Hoffmanns Überzeugung nur darin bestehen, mehr Lehrveranstaltungen anzubieten.
," so Hoffmann.
Der AStA Marburg erwartet von der Hochschul-Leitung und von der Landesregierung, die - für eine qualitativ hochwertige Bildung ohne Zugangsbeschränkung notwendigen - Mittel zur Verfügung zu stellen.
 
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