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Text von Sonntag, 26. November 2006

> s o z i a l e s<
  
 Intelligente Idee: Investieren statt konsumieren? 
 Marburg * (fjh)
"Nachtigall, ick hör Dir trapsen!" Fast wie das flötende Anbiedern mancher Pelzverkäuferin mutet die Ankündigung der Bundeskanzlerin Angela Merkel an, in der Großen Koalition über die Einführung von "Investivlöhnen" nachzudenken. Voller Interesse werden viele Beschäftigte jetzt aufhorchen.
Die Idee ist nun wahrlich nicht gerade neu. Doch hat sie etwas für sich: Beschäftigte werden so an den Gewinnen ihrer Firmen beteiligt.
Die investierten Lohn-Anteile möchte Merkel demnächst steuerfrei stellen. Darüber wird sie wahrscheinlich schon kurz nach dem CDU-Parteitag mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Beck sprechen. Eine Einigung zwischen den beiden Koalitionsparteien scheint hier möglich.
Doch aufhorchen lässt die Begründung, mit der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla den "Investivlohn" am Sonntag (26. November) im Vorfeld des CDU-Parteitages pries: Mit dem "Investivlohn" könne man die Alterssicherung auf ein weiteres Bein stellen.
Wenn das das Ziel der CDU bei diesem Vorstoß ist, dann müssen Deutschlands Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Schlimmes befürchten: Ihre Altersbezüge hängen dann - möglicherweise gar in hohem Maße - vom wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen ab, in denen sie arbeiten.
Was aber geschieht mit dem "Investivlohn", wenn jemand vom Unternehmen hinausgeworfen wird? Was bleibt den Beschäftigten, wenn die Firma pleite geht?
Durch den "Investivlohn" werden alle Beschäftigten zu Mit-Unternehmern. Sie bangen dann um den Erfolg ihrer Firma noch mehr, als sie das bisher schon getan haben. Durch die Investition ihrer Löhne in die Firma werden auch sie in die Shareholder-Value-Logik eingebunden!
Zudem erhält die Firma dadurch frisches Kapital. Die Real-Löhne sinken zugunsten der Eigentums-Anteile an deutschen Unternehmen.
Diese Idee hat durchaus Vorteile. Aber gefährlich wird sie dann, wenn die "Investivlöhne" eine gesicherte Altersvorsorge ersetzen oder wesentlich ergänzen sollen. Gerade das aber scheint das Ziel der CDU bei ihrem Vorstoß für die "Investivlöhne" zu sein.
 
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