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Text von Dienstag, 10. Oktober 2006

> s o z i a l e s<
  
 Kalkulation: AStA warnt vor Studien-Krediten 
 Marburg * (fjh/pm)
"Wir sind schockiert von der Leichtfertigkeit und der Inkompetenz, mit der die Deutsche Bank die mögliche Überschuldung von jungen Menschen provoziert, nur um ihre Studien-Darlehen zu vermarkten" kritisierte Sozialreferent Roman George vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss (AstA) das Vorgehen der Deutschen Bank.
Hintergrund ist, dass die Deutsche Bank an den Hochschulen immer offensiver für ihre Studienkredite wirbt. Studierende können für maximal 10 Semester bis zu 800 Euro monatlich erhalten, ohne weiter Sicherheiten vorweisen zu müssen.
Seit mehreren Wochen wirbt die Deutsche Bank auf der Homepage der Philipps-Universität für eine "exklusive Vorlesungsreihe zum Thema Studienfinanzierung" bei ihren "Studentenberatern". Ein Mitglied des AstA Marburg hat diese "Beratung" probeweise wahrgenommen und erhebliche Mängel festgestellt. Zudem sind die Rückzahlungs-Modalitäten des Darlehns so problematisch, dass Betroffene dadurch in die Schuldenfalle geraten können.
Bei dem Beratungsgespräch schilderte der AStA-Vertreter dem "Studentenberater" eine Studiensituation, bei welcher jeder - mit Grundlagen des Sozialrechts für Studierende vertraute - Berater hätte wissen müssen, dass ein Anspruch auf Leistungen nach dem Bundes-Ausbildungsförderungsgesetz (BaföG) bestanden hätte. Die einzige vorgeschlagene Lösung des "Studentenberaters" war jedoch, ein Darlehen bei der Deutschen Bank aufzunehmen. Selbst die explizite Frage, ob nicht ein Anspruch auf BaföG bestehen könne, verneinte er.
Die Risiken einer Kreditaufnahme wurden durch den Hinweis verharmlost, dass ein höherer Lotteriegewinn problemlos für die
Tilgung verwendet werden könne. Der "Studentenberater" konnte keineMöglichkeiten einer unabhängigen Beratung nennen, obwohl entsprechende Angebote des Studierendenwerkes und des AStA seit langem bestehen.
Die Modalitäten des Studien-Kredits der Deutschen Bank sind viel problematischer, als es ihre offensive Werbung glauben machen will. Zusätzlich zu den Raten fällt eine Bearbeitungsgebühr an. Nach der Auszahlungs-Phase mit dem Ende des Studiums ruht der Kredit für höchstens ein Jahr. Danach setzt die monatliche Rückzahlung ein, die auf maximal 144 Monate gestreckt werden kann.
Für diese Phase gilt ein deutlich höherer Zinssatz als für die Auszahlungs-Phase. Bei einer längeren Streckung der Tilgung kann das Volumen der zu zahlenden Zinsen das Volumen des eigentlichen Darlehens überschreiten. Es gibt keine Möglichkeit, die Tilgung zu stunden, wenn ein Jahr nach Studien-Abschluss kein ausreichendes Einkommen erzielt wird.
Da der Einstieg in den Arbeitsmarkt immer schwieriger wird ("Generation Praktikum"), werden viele dann die Raten nicht zahlen können - zumal die Raten bei einer hohen Kreditsumme bei über 500 Euro pro Monat liegen können.
AStA-Vorsitzende Melanie Micudaj nimmt auch die Universitätsleitung in die Pflicht: "Wir erwarten von der Universitätsleitung, dass sie die Werbung unverzüglich von der Universitäts-Homepage entfernt. Stattdessen sollte sie an dieser Stelle auf die unabhängige und kompetente Sozialberatung des AstA hinweisen."
Studierenden in finanziellen Schwierigkeiten empfiehlt der AstA Marburg dringend, sich immer unabhängig beraten zu lassen und alle Alternativen zu überprüfen. Neben dem Anspruch auf BAföG und Unterhalt durch die Eltern können Studierende unter bestimmten Bedingungen auch Anspruch auf Wohngeld, Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe, Elterngeld oder Kindergeld haben.
 
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