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Text von Montag, 11. Dezember 2006

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 Keep cool, Kicker: Fremdenfeindliche Patrioten 
 Marburg * (fjh/pm)
Nationalistische Einstellungen befördern die Fremdenfeindlichkeit. Die Befürwortung demokratischer Strukturen senkt sie. Das hat eine Forschergruppe der Philipps-Universität herausgefunden. Auf Basis einer repräsentativen Befragung warnte sie am Donnerstag (14. November) vor nationalistischen Kampagnen.
Die aktuellen Ergebnisse der Langzeit-Studie "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" haben die Marburger Wissenschaftler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin vorgestellt. An der Studie, die unter Federführung des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld durchgeführt wird, ist seit dem Jahr 2002 auch die Arbeitsgruppe Sozialpsychologie des Fachbereichs Psychologie der Philipps-Universität beteiligt.
Die Marburger Arbeitsgruppe, der die Diplom-Psychologin Julia Becker, Dr. Oliver Christ und Prof. Dr. Ulrich Wagner angehören, befasste sich im Rahmen der aktuellen Studie mit den Auswirkungen von Nationalismus und Patriotismus auf Fremdenfeindlichkeit. Dabei kam sie zu unerwarteten Ergebnissen.
Zwischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit bestehe ein kausaler Zusammenhang. Anders als bislang angenommen, habe Patriotismus nicht den Effekt einer Reduzierung von Fremdenfeindlichkeit.
Nationalismus werde, so die Autoren über den Ausgangspunkt ihrer Befragungen, in der Literatur häufig als unkritische und übersteigerte Form der Bindung an die Nation gesehen, die zugleich mit einer erhöhten Abwertung von fremden Gruppen einhergeht. Patriotismus hingegen solle eine eher kritische und reflektierte Form der nationalen Bindung beschreiben, die ablehnende Haltungen gegenüber fremden Gruppen reduziert. Tatsächlich aber ließen sich diese gängigen Annahmen nur zum Teil belegen.
"Die Ergebnisse unserer Längsschnitt-Analysen bestätigen tatsächlich die Annahme eines kausalen Zusammenhangs zwischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit", bestätigte Wagner. Je höher der Nationalismus der Befragten 2002 war, desto stärker lehnen die selben Befragten im Jahr 2006 "Fremde" und fremde Gruppen ab. "Entgegen den ursprünglichen Annahmen aber hat Patriotismus im Jahr 2002 allein weder einen positiven noch einen negativen Effekt auf das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit im Jahr 2006 gehabt.
Die Ergebnisse zeigten vielmehr, dass eine starke nationale Bindung an das eigene Land die Ablehnung von "Fremden" fördert. Gleichzeitig sei aber nachgewiesen worden, dass eine deutliche Befürwortung von demokratischen Strukturen sie vermindert.
Auch den Einfluss der Fußball-Weltmeisterschaft auf die Identifikation mit dem eigenen Land hatten die Marburger Forscher untersucht. Ebenso interessierte sie die Frage, in welchem Maße die Identifikation mit dem eigenen Land mit Fremdenfeindlichkeit einhergeht.
Personen, die nach der WM befragt wurden, waren nationalistischer und weniger patriotisch eingestellt als diejenigen, die vor der WM befragt wurden. Allerdings sind die Veränderungen relativ gering. Die Vermutung, dass es sich dabei um eine neue, offene und tolerantere Form der Identifikation mit dem eigenen Land handelt, konnten die Forscher nicht bestätigen: Auch nach der Fußball-Weltmeisterschaft gehe Nationalismus mit einer Ablehnung von Fremden einher.
Wagner kommt deswegen zu dem Schluss, dass im Umgang mit Nationalismus, aber auch mit Patriotismus große Vorsicht geboten ist: "Kampagnen, die darauf abzielen, nationalistische oder patriotische Einstellungen zu schüren, bergen die Gefahr, die Abwertung von anderen Gruppen zu fördern."
Auch der während der WM zu beobachtende "Party-Patriotismus" ziehe keine positiven Effekte nach sich. Es zeige sich im Gegenteil ein Anstieg des Nationalismus.
"Sinnvoll erscheint hingegen, die Wertschätzung demokratischer Prinzipien zu fördern", schlug Wagner vor. Demokratische Werte seien Vorbedingungen für eine funktionierende Zivilgesellschaft und zeichneten sich dadurch aus, dass sie nicht zum Eigentum einer Nation erklärt und damit auch nicht monopolisiert werden können.
Die Daten wurden mittels Telefon-Befragung erhoben. Finanziert wird das langjährige Forschungsprojekt von einem Stiftungskonsortium unter der Federführung der Volkswagen-Stiftung mit Beteiligung der Möllgaard- und Freudenberg-Stiftung. Es befasst sich mit der Entwicklung "Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit". Darunter verstehen die Forscher die Ablehnung schwacher Gruppen, wie sie in Vorurteilen, Diskriminierung und Gewalt gegen Zugewanderte, Jüdinnen und Juden, Menschen mit Behinderung, Wohnungslose und andere Minderheiten zum Ausdruck kommt.
 
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