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Text von Donnerstag, 6. April 2006

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 Bedingungslose Zahlung: Hardorp für Grundeinkommen 
 Marburg * (amd)
"Die Höhe der "Arbeitslosigkeit ist ein Erfolgsausweiß unserer Gesellschaft", stellte Dr. Benediktus Hardorp fest. Der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sprach am Mittwoch (5. April) in der Freien Waldorfschule Marburg.
Seine Forderung lautete: "Wir müssen unsere sozialen Einrichtungen neu justieren!" Eine Lösungsmöglichkeit sieht Hardorp dabei in der Idee eines Grundeinkommens für alle Menschen.
Bereits Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie und der Waldorfschulen, beschrieb am Beginn des 20. Jahrhunderts eine solche Vorstellung. Demnach sollten alle Menschen, die in einem Land leben, ein festes Grundeinkommen erhalten.
Die Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich von der festgefahrenen Vorstellung löst, dass Arbeit und Einkommen zusammengehören. Arbeit leisten und Einkommen erhalten müssen getrennt werden, lautet Hardorps erste Forderung.
"Früher musste jeder für seinen Lebensunterhalt arbeiten. "Heute leben wir auf einem tollen Versorgungsniveau", meinte Hardorp. "Wir lassen keinen durch's Netz fallen. Die Gesellschaft fängt ihn auf."
auch die, die keine Arbeit mehr haben, werden trotzdem versorgt. Die Zahl derjenigen, die eine Auszahlung bekommen, ohne dafür zu arbeiten, ist erheblich angestiegen.
Auch das zunehmende Alter der Bevölkerung spielt hier eine Rolle. Hardorp forderte Überlegungen, was alte Menschen noch leisten können. Seiner Ansicht nach gibt es Dinge, die nur ältere Mitmenschen machen können, da den Jungen dazu noch die Erfahrungen fehlen.
"Wir haben einen riesigen Erfolg damit erzielt, dass immer weniger Arbeiter benötigt werden", beschrieb Hardorp die derzeitige Situation. Durch den technischen Fortschritt und das Auswandern von Firmen gehen Arbeitsplätze verloren.
"Die Menschen sind zu teuer geworden", resümierte der Wirtschafts-Fachmann. Es werden kaum noch Arbeiter gebraucht. Daher werden viele von der Arbeit freigestellt. Aber gleichzeitig werden die hohen Zahlen der Arbeitslosen bedauert!
Die Arbeitslosigkeit selbst entstehe jedoch nur aufgrund des gedachten Einklangs von Arbeit leisten und Gehalt bekommen. Früher wurde alles getan, was man leisten konnte. Heute soll einem alles bezahlt werden, was man leisten kann.
Als Beispiel wurde die Pausen-Aufsicht der Lehrer auf den Schulhöfen genannt: Heute wolle kein Lehrer mehr freiwillig Aufsicht führen.
Mit der Einführung eines Grundeinkommens, das keine Arbeit voraussetzt, könnte jeder selbständig werden. Die Vision wäre, dass jeder dann das machen könnte, wozu er Lust oder woran er Interesse hat.
Das Grundeinkommen ist nach Hardorp eine realisierbare Angelegenheit. Die Transfer-Leistungen, die vieler bereits erhalten, würden wegfallen. Dieses Geld würde dann die Basis des Grundeinkommens bilden.
Im Bereich der Verwaltung könnte man auch erhebliche Einsparungen erzielen. Diese Einsparungen würden zusammen mit den jetzigen Transfer-Leistungen das Grundeinkommen bilden.
Um die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens durchsetzen zu können, muss aber noch ein grundsätzliches Umdenken erfolgen. Dafür müssten die Menschen nach Hardorps Auffassung das "Höhere Ich", das in jedem "schlummert", entdecken und aktivieren.
 
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