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Text von Freitag, 14. April 2006

> p o l i t i k<
  
 Seine Ehrensache: Mac Keldey mit Fahne und Phantasie 
 Marburg * (fjh)
"Die habe ich für 99 Cent im TeGut gekauft", berichtet Gerhard Mac Keldey. Dabei streckt er eine schwarz-rot-goldene Fahne in die Luft. So läuft der Marburger Schriftsteller am Freitag (14. April) vor dem Hauptbahnhof herum.
Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft werde die Fahne sein ständiger Begleiter sein, erklärt er. "In Deutschland herrscht jetzt Fahnen-Pflicht!" Seitdem er das kleine Stück Stoff mit Stiel gekauft hat, trage er es ständig bei sich.
"Die Fahnen lagen da massenweise herum", fährt Mac Keldey fort. So habe er sich eine genommen und sei damit zur Kasse gegangen.
"Wenn wir gewinnen", nuschelt Mac Keldey. Dabei wird seine Aussprache feucht und undeutlich, als habe er etliche Flaschen Alkohol intus. Noch undeutlicher wiederholt er den Satz.
Dann wird seine Stimme wieder vollkommen klar: "Die Verkäuferin hat nur hilflos herumgeblickt. Dann hat sie den Filialleiter gerufen. Das wollte ich ja auch!"
Der Schriftsteller erzählt weiter: "Der Filialleiter hat mich aufgefordert, den Betrieb nicht länger zu stören. Sonst rufe er die Polizei."
Mac Keldey lacht leise: "Aber was sollte er denen sagen? Da steht einer mit einer Fahne, die wir ihm verkauft haben? Fahnen schwenken ist nicht verboten."
Natürlich könnte es auch sein, dass die Polizisten die schwarz-rot-goldene Fahne mit einer Bier- oder Schnapsfahne verwechseln. Doch auch das sei noch nicht verboten. Und spätestens vor der dritten Aufforderung habe er den Laden auch brav verlassen.
Die Fahne habe er seither aber nicht mehr weggelegt. Mit ihr sei er auch in ein türkisches Kulturzentrum gegangen. Dort habe er die Flagge mehreren türkischen Jugendlichen in die Hand gegeben. "Die ersten beiden haben sie genommen. Erst der dritte hat sich geweigert", berichtet Mac Keldey.
Als Marburgs Abiturienten ihm in ihrem Autokorso entgegenkamen, habe er mit der Flagge aus dem Fenster seiner schwarzen Ente heraus gewunken. Etwa die Hälfte habe daraufhin gejubelt, während die andere Hälfte "Buh" gerufen habe. Einige seien auch von lauter Begeisterung unvermittelt zu Buh-Rufen übergeschwenkt.
Während er seine Erfahrungen mit der Fahne auflistet, schwenkt er das Stück Stoff weithin sichtbar am ausgestreckten Arm. Von oben tropft der Regen auf ihn herab.
"Jetzt sind wir in Deutschland alle Fahnen-Träger", schmunzelt er. "Wenn dann die Fans der ausländischen Mannschaften kommen, dann wird es hier ein bunteres Bild geben."
So viel kann man also aus 99 Cent und etwas Zeit machen! Man braucht nicht einmal die einschlägigen Lieder anzustimmen, die Deutschen bei dem Wort "Fahne" sofort in den Sinn kommen.
"Du solltest Deine Sketche einmal aufführen", hat Ludwig Legge von der Neuen Literarischen Gesellschaft seinem Vereinskameraden vorgeschlagen. "Aber das tue ich doch", hat Mac Keldey ihm entgegnet, "tagtäglich auf Marburgs Straßen!"
 
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