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Text von Freitag, 24. März 2006

> p o l i t i k<
  
 Tankstellen-Tod: Kahle kritisiert Raps-Steuer 
 Marburg * (atn/pm)
Das "Aus" für Marburgs Rapsöl-Tankstelle befürchtet die Stadt Marburg nach dem Beschluss für eine Steuer auf Pflanzenöl als Kraftstoff. Das teilte Bürgermeister Dr. Franz Kahle am Mittwoch (22. März) mit.
An Marburgs Rapsöl-Tankstelle wird seit zwei Jahren mit steigendem Erfolg Rapsöl verkauft. Der Kraftstoff kann bei einer entsprechenden Umrüstung in Diesel-Motoren eingesetzt werden. Momentan wird der Kraftstoff für 78 Cent pro Liter verkauft. An der Rapsöl-Tankstelle sind im Jahr 2005 etwa 75.000 Liter kalt gepresstes Pflanzenöl verkauft worden. Das Öl wird von Landwirten in Frankenberg-Haubern in einer eigenen Ölmühle hergestellt.
Die jetzt von der Bundesregierung beschlossene Besteuerung des Rapsöls könnte das "Aus" für die Technologie und somit auch für Marburgs Pflanzenöl-Tankstelle bedeuten. Mit der Besteuerung von 15 Cent pro Liter läge der Preis bei 88 Cent pro Liter. Da dazu noch die Mehrwertsteuer kommt, stiege der Preis auf 98 Cent pro Liter.
Somit wird das Projekt für viele Autofahrer vor allem aus zwei Gründen uninteressant: Zum einen gibt es raffiniertes Rapsöl zur Zeit für 79 Cent pro Liter in jedem Lebensmittelgeschäft. Zum anderen kostet die Umrüstung des Autos zwischen 800 und 2.500 Euro. Sie rechnet sich also nur, wenn die Kosteneinsparung durch einen billigeren Kraftstoff erheblich ist. Nach der Steuererhöhung für Pflanzenkraftstoff bestünde jedoch kaum noch eine Preisdifferenz zum Dieselkraftstoff.
Kahle vermutet, dass die Pflanzenöl-Projekte von der Ölindustrie nicht gewollt sind, weil Pflanzenöl relativ einfach dezentral in Ölmühlen hergestellt und von Landwirten selber vermarktet werden kann. Das Geld für den Kraftstoff bleibt dabei in der Region.
Das Monopol der Mineralöl-Industrie über die Kraftstoffmärkte werde durch die neue Steuer bestärkt. Eine große Chance für die Weiterentwicklung eines ökologischen Kraftstoffs sei vertan. Auch für die Landwirte in der Region gehe eine Chance verloren, Energie zu fairen Preisen zu produzieren.
Schließlich sei die beschlossene Steuererhöhung denjenigen gegenüber ungerecht, die sich im Vertrauen auf die Politik der Bundesregierung engagiert haben. Zahlreiche Initiativen haben aufgrund der zugesagten Steuerfreiheit bis zum Jahr 2009 in Ölmühlen investiert. Die Stadt Marburg und die Stadtwerke Marburg (SWM) etwa haben 20.000 Euro in eine neue Tankstelle investiert. Die Investoren dürften sich jetzt durch die beschlossene Steuer bitter enttäuscht sehen.
 
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