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Text von Freitag, 13. Januar 2006

> p o l i t i k<
  
 Damals in Marburg: Stadtschrift über die 50er und 60er 
 Marburg * (sts)
"Geschichte ist auch für mich exemplarisch am besten zu begreifen", sagte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bei der Vorstellung des dritten Bandes zur Stadtschriftenreihe "Marburg in den Nachkriegsjahren". Die Herausgeber Benno Hafeneger und Wolfram Schäfer sowie ein Großteil der Autorengruppe stellten das fast 500 Seiten starke Buch am Freitag (13. Januar) im Rathaus vor.
Nach den ersten beiden Bänden von 1998 und 2000 rundet der neueste Band die Trilogie vorläufig ab. "Wir haben einen anderen Horizont der Nachkriegszeit beleuchtet. Standen in den ersten beiden Ausgaben die späten vierziger Jahre im Mittelpunkt, so geht es nun vor allem um die fünfziger und frühen sechziger Jahre", erläuterte Hafeneger die Neuerungen. Dabei sei die Autorengruppe keiner strikten Systematik unterworfen worden, wodurch eine große Themendisparität entstanden sei.
Schon der Untertitel des Buches "Entwicklungen in Politik, Kultur und Architektur" verweist auf die Vielfältigkeit der Texte. Persönliche Schicksale wie das des Theaterregisseurs Erwin Piscator oder des Musikers Martin Stephani werden ebenso beleuchtet wie die Personalpolitik der Stadtverwaltung oder die Jugendkultur der fünfziger Jahre.
Einen sehr speziellen Blickwinkel auf diese Zeit wirft Wolfram Schäfer mit seinem Beitrag "Als Heimkind in Marburg hängen geblieben". Es ist der Versuch,anhand von Heimakten die Biographie eines Heimkindes nachzuzeichnen, dass mit neun Monaten nach Marburg gebracht wurde.
"Das war für meinen betroffenen Freund und mich eine spannende, interessante, aber auch schmerzliche Arbeit. Über die Zeit bis zum dritten Lebensjahr konnten wir zum Beispiel überhaupt keine Informationen finden", erläuterte Schäfer einige Hintergründe zu seiner Arbeit.
Einem Kapitel, das jeden Bürger der Stadt interessieren dürfte, widmete sich der ehemalige Marburger Baudirektor Elmar Brohl: "Die Stadtentwicklung unter dem Baudezernenten Dr. Ing. Adolf Bernt 1954-1966". Hier kann ausführlich und in allen einzelnen Schritten der Bau der Stadtautobahn B3, die Bebauungskonzeption des Richtsberges und der unsäglichen "Elefantenfüße" (Philosophische Fakultät) nachgelesen werden. Besonders die langjährige "Drunter oder Drüber"-Diskussion, die B3 durch einen Tunnel zu führen oder als Hochstraße anzulegen, ist als modernes Possenmärchen absolut lesenswert.
Deutlich wird, wie sehr rein finanzielle Beweggründe und der massive Druck, die Marburger Verkehrsprobleme ("Marburg an den Schranken") endlich zu lösen, letztlich der rigorosen Stadtteilung durch die Hochstraßenlösung den Vorzug gaben. "Bis ins letzte Detail läßt sich die Entscheidung heute, auch wegen fehlender Dokumente bei Landes- und Bundesbehörde, nicht mehr nachvollziehen", räumte Brohl ein.
Eine Entscheidung über eine Fortsetzung der Marburger Nachkriegsreihe ist noch ebenso offen: "Der dritte Band ist nicht zwangsläufig das Ende. Es gibt noch viele Themen, die eine ausführliche Beschäftigung verdienten", stellte Hafeneger eine mögliche Fortsetzung in Aussicht.
Das Buch ist ab Montag in den Marburger Buchhandlungen und im Rathaus zu bekommen. Außerdem kann es im Internet unter marburg.de bestellt werden. Der Preis beträgt 16,80 Euro.
 
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