Sie sind hier: marburgnews >
Heute ist Montag, 24. Januar 2022

Text von Donnerstag, 26. Oktober 2006

> k u l t u r<
  
 Gnadenlos: Lesung aus "Schule der Lügen" 
 Marburg * (jnl)
Welche Reichweite haben Religion und Politik, wenn sie eine Mixtur eingehen? Um diese Frage geht es in Wolfram Fleischhauers fünftem Roman. Im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) stellte der 45-jährige Berliner am Donnerstag (26. Oktober) seinen philosophisch inspirierten Roman "Schule der Lügen" vor.
Fleischhauers neuer Roman spielt im Jahr 1926. Orte sind das sittenfreie Berlin der Weimarer Republik und Indien. Ein kurzweiliger Dia-Vortrag schilderte vor der Lesung das Recherchieren des historischen Ambiente. Der mit mehr als hundert zahlenden Neugierigen gut besuchte Lese-Auftritt war Fleischhauers zweiter Auftritt in Marburg.
Die Handlung des Romans rankt sich um einen 23-jährigen Fabrikanten-Sohn, der eher lustlos und boheme-geneigt vor sich hin studiert. Sein Sich-Verknallen in eine laszive britische Halbinderin aus den "besseren Kreisen" führt ihn in einen Strudel der Ereignisse. Über sie stößt er auf die Spuren einer rätselhaften Bluttat. Indizien deuten auf die Verwicklung seiner neuen Freundin in eine esoterische Gemeinschaft indischen Ursprungs hin.
Er folgt diesen Spuren und der Frau nach Indien. Dort stellt sich die "Depassana"-Gruppierung als ebenso religiös wie politisch in den Unabhängigkeitskampf Indiens involviert heraus. Aus der Sicht der britischen Kolonialherren gelten diese Leute als "Terroristen".
Der Weg des Protagonisten durch das dichte Gespinst der Lügen wird atmosphärisch und unterhaltsam geschildert. Das Auditorium dankte dem Schriftsteller mit viel Beifall, Signier-Wünschen und Nachfragen.
Beim souveränen Beantworten der Fragen aus dem Publikum bekannte sich Fleischhauer zur Idee der Literatur als "moralische Sinn-Stiftung". Seine Bücher widmen sich allesamt einzelnen "Großen Fragen" der Menschheit. Das aktuelle Buch gehe um Religion und Politik.
Sein Debüt-Roman von 1996 dreht sich um die Bildende Kunst und sein Tango-Roman von 2001 um Kunst und Leben. Als "Historischer Roman"- oder Krimi-Autor sieht er sich überhaupt nicht, obschon viele seiner Bücher so wahrgenommen werden. Er bediene kein Genre, sagt Fleischhauer von sich selber. Eine Kern-Idee des Erzählers lautet: "Deine Geschichte wird dich finden!"
 
 Ihr Kommentar 


Kultur-Archiv






© 2006 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg