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Text von Sonntag, 25. Juni 2006

> k u l t u r<
  
 Meisterhaft modern: Mimodram präsentierte "Carmen" 
 Marburg * (fjh)
Eine moderne Neu-Interpretation von "Carmen" brachte die "Georgian Company Mimodram" am Samstag (24. Juni) auf die Bühne. Die vier Tänzer und ihre Kollegin aus der georgischen Hauptstadt Tiblissi bewiesen dabei in der Waggonhalle eindrucksvoll ihre Klasse.
Der Name "Mimodram" drückt aus, was die Truppe auszeichnet: Die Georgier stellen Geschichten tänzerisch und pantomimisch dar. Das taten sie am Samstagabend mit professioneller Präzision und künstlerischem Feingefühl.
Wer allerdings die Musik aus George Bizets Oper "Carmen" erwartet hatte, der wurde enttäuscht: Futuristische Klänge wechselten mit Disco-Beats, barocker Streichmusik und verschiedenen Geräuschteppichen ab. Nur einmal ertönte das berühmte Thema aus Bizets "Carmen". Die Musik war indes immer stimmig für die Darstellung auf der Bühne.
In der Tabakfabrik gehen drei Arbeiter und ihr Vorarbeiter ans Werk. Nach der täglichen Schufterei machen sie sich am Abend fein. Sie vergnügen sich mit Carmen.
Sie tanzen, sie trinken, sie torkeln. Müde sinken sie nieder. Mit einem Kater erwachen sie.
Der Vorarbeiter hat Carmen für sich gewonnen. Er hat mehr Geld als die drei anderen. Doch irgendwann kommt es zu einem Streit. Carmen wendet sich einem der drei anderen zu.
Mit graziösen und gekonnten Bewegungen zeigten alle fünf ihr tänzerisches Können. Darüberhinaus beeindruckten sie mit ihren pantomimischen Darstellungen. So verstand das Publikum die Handlung fast immer auch ohne Worte.
Ein Ständer mit Kleidung und ein Korb reichten als Requisiten völlig aus. Alle anderen Gegenstände stellten die Künstler auf der Bühne durch ihre Bewegungen dar.
Streit, Krieg und Tod setzten sie ebenso eindrucksvoll in Szene wie männliches Imponiergehabe. Künstlicher Nebel und spezielle Licht-Effekte sorgten zusätzlich für die Aufmerksamkeit des Publikums.
Mit etwa 20 Minuten Darstellung vor und weiteren 30 Minuten nach der Pause hatte die Darbietung eine überschaubare Länge. Doch nicht unbedingt deswegen wurde sie dem tanzinteressierten Publikum nie lang. Fasziniert verfoglten die gut dreissig Besucherinnen und Besucher das Geschehen auf der Bühne.
Die 1994 gegründete Truppe zeigte eine bildhafte Auseinandersetzung mit dem Einfluss des Geldes auf die Liebe, mit Macht, Gerechtigkeit und Konflikten. Ihr meisterhafter Auftritt erntete am Schluss begeisterten Applaus und einige Bravo-Rufe.
Einen weiteren Auftritt der "Georgian Company Mimodram" mit "Carmen" können Interessierte am Sonntag (25. Juni) um 20 Uhr in der Waggonhalle besuchen. Dieses absolut lohnenswerte Gastspiel sollten sich tanzbegeisterte Freunde moderner Darstellungsformen nicht entgehen lassen!
 
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