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Text von Dienstag, 21. März 2006

> s o z i a l e s<
  
 Alters-Zukunft: Kreis wird Modell-Region 
 Marburg * (fjh/pm)
Als eine von vier Partner-Regionen im "Modellvorhaben "Hessen 2050 - Sichere Zukunft im demographischen Wandel" hat die Landesregierung den Landkreis Marburg-Biedenkopf ausgewählt. Das teilte Landrat Robert Fischbach am Dienstag (21. März) mit.
Staatsminister Stefan Grüttner erläuterte, warum dieses Modellprojekt nicht nur für den Landkreis, sondern auch für das Land wichtig sei. Im Bereich der demographischen Entwicklung könne man von Dramatik sprechen, denn neben einem Bevölkerungsrückgang habe man auch den Rückgang der Erwerbsfähigen zu beachten. Unter anderem müsse man inzwischen nicht mehr nur noch von drei Lebensphasen ausgehen, sondern - unter Berücksichtigung der über 80-jährigen Hochbetagten - von vier.
Der Staatsminister und Chef der hessischen Staatskanzlei betonte darüber hinaus, dass das Konzept des Kreises Marburg-Biedenkopf bei der Bewertung der Bewerbungen um das Modellprojekt hervorragend abgeschnitten habe.
Fischbach machte deutlich, dass sich der Landkreis zwei großen Herausforderungen stellen muss: Einerseits muss er dem langfristigen Bevölkerungsrückgang entgegenwirken. Auf die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung muss er ebenfalls reagieren.
"Egal, ob die Bevölkerung laut günstigster Prognose bis zum Jahr 2050 nur um 2,9 Prozent oder im schlechtesten Fall um mehr als zwanzig Prozent sinkt, Fakt ist, dass Politik hier in der Region auf die Veränderungen vorbereitet sein muss", erklärte der Landrat. Der Landkreis geht derzeit von einem mittleren Wert um die zehn Prozent Abnahme der Bevölkerung aus.
"Wenn wir den Bevölkerungsrückgang aufhalten wollen, gibt es hauptsächlich ein Mittel: Arbeitsplätze schaffen! Die Menschen kommen dorthin, wo es Arbeit gibt", prognostizierte Fischbach. Das zeige der südhessische Raum, der immer noch Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen hat.
Gemeinsam mit Staatsminister Grüttner ist der Landrat der Auffassung, dass Marburg-Biedenkopf als Wirtschaftsstandort an Attraktivität gewinnen wird, wenn sich die Verkehrsanbindung sowohl auf der Straße als auch auf der Schiene verbessert. Deshalb müsse die Autobahn A 49 weitergebaut werden, forderte Fischbach. Aber auch die Ost-West-Verbindung auf der ehemals geplanten A4 und das dritte Gleis nach Frankfurt bringe den Kreis dem Ziel von mehr Arbeitsplätzen näher.
Eines ist aber nach demographischen Erkenntnissen relativ sicher: Die Kinderzahlen werden sich bis zum Jahr 2050 wahrscheinlich fast halbieren. Die Bevölkerung über 65 wird sich fast verdoppeln!
Besonders auffällig ist, dass die Geburtenrate mit 1,22 Kindern pro Frau im Landkreis noch einiges unter der hessischen Durchschnittsrate von 1,35 Kindern liegt. "Deshalb müssen wir für den Landkreis ein Bündnis für Familien schließen", forderte Fischbach.
Im Laufe des nächsten Jahres geht es vor allen Dingen darum, eine arbeitsfähige Projektstruktur auf die Beine zu stellen. Mit den jetzt in Aussicht gestellten Landesmitteln von 10.000 Euro, der entsprechenden Eigenbeteiligung des Kreises und dem Dienstleistungsangebot der Hessenagentur hofft der Landkreis, eine gute Struktur aufbauen zu können. "Für Umsetzungsmaßnahmen brauchen wir natürlich weitere Unterstützung durch das Land, aber auch den Bund. Das können die Kommunen bei der jetzigen Finanzausstattung nicht allein meistern", gab Fischbach zu bedenken. Derzeit sei es vor allem wichtig, in den Städten und Gemeinden ein Bewusstsein für die Dringlichkeit des Themas zu schaffen.
Für die sechs Handlungsfelder Kinder und Familie, Integration von Zuwanderern, Standortverbesserungen und Arbeitsplätze, Junge Alte und Ehrenamt, Pflege sowie als letztes Bau der Infrastruktur müssen aus allen gesellschaftlichen Gruppen Bündnispartner gefunden werden. In einer gut vorbereiteten "Kick-Off-Veranstaltung" soll bei den Gemeinden und anderen potenziellen Bündnispartnern für eine Beteiligung an den Arbeitsgruppen geworben werden. "Ich bin mir sicher, dass alle wissen: Wir haben für unsere Region nur eine Chance, wenn alle an einem Strang ziehen" erläuterte Fischb ach abschließend.
 
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