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Text von Sonntag, 5. Februar 2006

> s o n s t i g e s<
  
 Abbau auf Bahntrasse: Gleisdiebe waren in Gisselberg 
 Marburg * (fjh)
In Gisselberg hat die Polizei am Freitag (3. Februar) eine heiße Spur der dreisten Diebe von Bahngleisen aufgenommen. Auf rund fünf Kilometern Länge hatten sie bei Lohra-Damm die Schinen der nicht mehr genutzten Bahnstrecke von Niederwalgern nach Herborn abmontiert. Der Gleisdiebstahl hatte bundesweit Aufsehen erregt.
Das Vorgehen der Diebe war wirklich dreist: mit gefälschten Dokumenten beauftragten sie eine Baufirma, die Schienen bei Lohra abzumontieren. Die Gleise ließen sie dann von einer Spedition zu Schrottverwertungsfirmen in Kassel und Koblenz bringen.
All das wirkte so "normal", dass sich kaum jemand in der Nachbarschaft Gedanken über die Bauarbeiten machte. Die Anwohner erhielten sogar ein Schreiben, in dem die Maßnahme erläutert wurde und die "Bahn" sie um Verständnis für die damit verbundenen Belästigungen bat. Aufgeflogen ist der Diebstahl erst, als ein Eisenbahnfreund erstaunt bei der Deutschen Bahn AG (DBAG) nachfragte, warum die Gleise nun abgebaut würden.
Die DBAG-Verwaltung fiel aus allen Wolken. Sie hatte keinen Auftrag zur Demontage der Schinen erteilt.
Hinter der illegalen Aktion stand eine Bielefelder Firma. Sie hatte den beteiligten Firmen diese Aufträge angeblich auf Weisung der DBAG erteilt. Sie entpuppte sich jedoch als Scheinfirma.
Bei den hohen Preisen für Altmetall ist der Bahn mit dem Gleisdiebstahl ein Schaden in gut sechsstelliger Höhe entstanden. Auch die beteiligten Firmen müssen fürchten, auf ihren Kosten für die geleistete Arbeit sitzenzubleiben.
Inzwischen verfolgt die bundespolizei aber eine heiße Spur: In einer Gisselberger Gaststätte hatte ein Zeuge am Donnerstag (2. Februar) vier Männer beobachtet. Drei seien vermutlich Litauber gewesen. Bei dem Vierten könnte es sich um ihren Auftraggeber gehandelt haben. Diese vier Männer seien plötzlich abgereist.
Zurückgelassen hätten sie dabei 22 Gasflaschen, wie man sie zum Betreiben eines Brennschneiders benötigt. Diese Gasflaschen hat die Bundespolizei am Freitag sichergestellt.
Die Ermittler suchen nun nach dem Begleiter der drei in Gisselberg gesichteten Männer. Bei ihm könnte es sich um den Mann handeln, dessen Name auf einer gefälschten Auftragsbestätigung stand. Dieses - angeblich von der DBAG stammende - Dokument war an die Bielefelder Briefkastenfirma gerichtet.
Der auf der Auftragsbestätigung genannte Ansprechpartner dieses Unternehmens könnte echt sein, vermutet die Bundespolizei. Er könnte der Auftraggeber des dreisten Diebstahls sein. Die Ermittler gehen davon aus, dass dieser Mann aus Westfalen stammt.
Eine weitere Spur führt von den Schrottverwertungsbetrieben in Kassel und Koblenz nach Göttingen und Hamburg, wo ebenfalls Firmen in den illegalen Gleis-Abbau verwickelt sein sollen.
Auch ein anderer Abschnitt der Bahnstrecke von Niederwalgern nach Herborn ist kürzlich Objekt eines ähnlichen Diebstahls geworden. Bei Mittenaa waren die Arbeiten aber noch nicht so weit fortgeschritten wie in Lohra. Die bereits in kleine Stücke zersägten Gleise waren hier noch nicht abtransportiert worden.
"Wir können nicht ausschließen, dass auf anderen stillgelegten Bahnstrecken bereits Ähnliches geschehen ist", erklärte Udo Becker. Der Ermittler empfahl der DBAG deshalb, ihre stillgelegten Strecken regelmäßig zu kontrollieren.
 
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