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Text von Freitag, 28. Januar 2005

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 Medien lernen: Broschüre gibt Eltern Ratschläge 
 Marburg * (fjh/pm)
Medienkompetenz sollte man erlernen wie das Sprechen. Das hat das Hessische Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden am Freitag (28. Januar) gefordert. Jugendliche seien mit elektronischen Medien gerüstet wie nie zuvor. Aufklärung über Gefahren der virtuellen Welt tue deshalb Not!
64 Prozent aller Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren haben ein eigenes Fernsehgerät. 53 Prozent besitzen einen Computer. 28 Prozent verfügen über einen eigenen Internet-Zugang. 94 Prozent der Jugendlichen nutzen mindestens einmal in der Woche einen Computer.
Kinder und Jugendliche bewegen sich heutzutage mit spielerischer Selbstverständlichkeit in der Welt der elektronischen Medien. Wer aber nimmt sie dabei an der Hand, um sie beispielsweise unbeschadet und sicherheitsbewusst durch das Labyrinth von weltweit rund vier Milliarden Webseiten und etwa 80 .000 Diskussionsforen zu führen?
Um Eltern hierbei zu helfen, hat die Polizei im Auftrag der Innenministerkonferenz jetzt die Broschüre "Klicks-Momente" herausgegeben. Damit erhalten Eltern Informationen und Tipps, um ihren Kindern den sinnvollen Umgang mit den elektronischen Medien wie Fernsehen und Video, Internet und Computerspiele sowie dem Handy zu vermitteln.
Schon Klein- und Vorschulkinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren verbringen heute im Schnitt 162 Minuten täglich mit Medien, vor allem mit Fernsehen. Das hat die ARD/ZDF-Studie "Kinder und Medien 2003" ermittelt. Bei den sechs- bis 13jährigen hat sich die Fernsehnutzung danach weiter in den Abend verschoben. Gerade hier brauchen die Kinder Orientierung und Hilfe der Eltern.
Entscheidend sei nicht nur die Dauer des Medienkonsums, sondern auch, welche Inhalte konsumiert werden. So bestehe die Gefahr, dass junge Menschen mediale Gewaltdarstellungen in ihre reale Lebenswelt übertragen und Gewalt einsetzen, um Konflikte zu lösen oder ihre Interessen durchzusetzen.
Doch nicht nur das Fernsehen hält immer mehr Einzug in das Leben von Kindern und Jugendlichen. Bereits 70 Prozent der sechs- bis 13-jährigen in Deutschland haben erste Erfahrungen mit dem Computer gesammelt. 60 Prozent von ihnen sind dabei schon einmal im Internet gesurft, wie die jüngsten Zahlen des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MpFS) belegen. Vor allem die Zahl der zehn- bis elfjährigen Kinder mit Computer-Erfahrung, die sich im Internet tummeln, hat allein zwischen 2002 und 2003 um über zehn Prozent zugenommen.
Exzessiver Medienkonsum kann zu erheblichen Leistungseinbrüchen in der Schule führen, hat das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) im Rahmen seiner Erhebung "Medienverwahrlosung als Ursache von Schulversagen und Jugendkriminalität" festgestellt. Danach hat inzwischen jeder zweite Junge im Alter von zehn Jahren die gesamte Multi-Media-Palette - angefangen beim Fernsehgerät über Computer, Play-Station bis hin zum DVD-Player - im eigenen Kinderzimmer stehen. Diese Jungen konsumieren täglich zwei Stunden länger diese Medien als ihre Altersgenossen, die darauf nicht im eigenen Zimmer zugreifen können.
Der überproportionale Besitz dieser Geräte spiegelt sich in einer dramatischen Auseinanderentwicklung der Schulleistungen zwischen Jungen und Mädchen wider, wie das KFN erklärt. So hat sich das Verhältnis der Schulabbrecher zwischen Jungen und Mädchen von 52 Prozent zu 48 Prozent im Jahr 1990 auf 64 Prozent zu 36 Prozent entwickelt.
Für Eltern und Erziehungsverantwortliche bedeutet der intensive Medienkonsum ihrer "Sprösslinge" eine enorme Herausforderung, müssen sie ihren Kindern doch Kompetenzen im Umgang mit Medien vermitteln. Das ist vor allem die Fähigkeit, selbstbestimmt, kreativ und sozial verantwortlich mit Medien umzugehen.
Medienkompetenz muss im Grunde genauso erlernt werden wie das Sprechen, Lesen und Schreiben, betont man bei der Polizeilichen Kriminalprävention in Stuttgart. Kinder brauchen hier Vorbilder und Wertmaßstäbe, aber auch klare Grenzen und Spielregeln.
In der neuen Broschüre "Klicks-Momente - So unterstützen Sie Ihr Kind bei der Medienkompetenz" rät die Polizei Eltern daher zu klaren Regeln beim Umgang mit den Medien. : So lässt sich über "Fernsehgutscheine" der Fernsehkonsum zeitlich limitieren. Ein Bon berechtigt dabei, eine bestimmte Zeit fernzusehen.
Die Empfehlungen der Polizei zur Medienkompetenz erstrecken sich aber nicht nur auf das Thema "Fernsehen". Auch für die Druckmedien, Computer, das Handy sowie Video- und Computerspiele stellt die Broschüre ausführlich Gefahren und Nebenwirkungen dar.
Die Broschüre "Klicks-Momente - So unterstützen Sie Ihr Kind bei der Medienkompetenz" ist bei allen Polizeidienststellen in Hessen erhältlich.
 
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