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Text von Samstag, 12. November 2005

> p o l i t i k<
  
 Kampf dem Kommunismus: 50 Jahre Bundeswehr 
 Marburg * (fjh)
Umstritten war sie von Anfang an. Doch die meisten haben sich an sie gewöhnt als mehr oder weniger notwendiges Übel. Einige bezeichnen sie als "Schule der Nation". Andere sehen in ihr ein Relikt des preußischen Militarismus.
Der 12. November 1955 gilt als Geburtstag der Bundeswehr. An diesem Tag haben die ersten Freiwilligen ihre Ernennungsurkunde erhalten.
Vorausgegangen waren heftige Auseinandersetzungen. Eine breite Kampagne gegen die "Wiederbewaffnung" erinnerte an das Versprechen der Deutschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!"
Die Bundeswehr sei eine reine Verteidigungsarmee, beteuerten ihre Befürworter. Und so wurde aus dem "Büro Blank" das "Bundesverteidigungsministerium". Im Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer hatte Theodor Blank die Aufstellung der Armee vorbereitet.
Beim Offizierskorps griff er auf "bewährte" Kräfte zurück. Generalinspekteur wurde Ulrich de Maiziere. Gegen den Vater des designierten Kanzleramtsministers Thomas de Maiziere lag seinerzeit in Frankreich ein Haftbefehl vor. Wegen Kriegsverbrechen war er im damaligen NATO-Bündnisstaat in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.
Adenauer setzte auf die "West-Integration". Und so leistete Deutschland mit der Bundeswehr seinen Beitrag zur "Verteidigung der Freiheit" gegen den "Kommunismus".
Die gefährliche Grenze zwischen den verfeindeten Systemen verlief mitten durch Deutschland. Marburg lag nahe genug an dieser Grenze, um als Garnisonsstadt einen wichtigen Beitrag zur Landesverteidigung zu leisten.
Mit dem Fall der Mauer ist die deutsch-deutsche Grenze Geschichte geworden. Die Bundeswehr ist aus Marburg abgerückt. Zurückgelassen hat sie ihre Kasernen und einige Liegenschaften, die zwischenzeitlich anderen Nutzungen zugeführt worden sind.
Auf dem Gelände der Jäger-Kaserne an der Frankfurter Straße ist das "Software Centr" entstanden. Nach einigen Irrungen und Wirrungen firmiert es derzeit unter dem Namen Technologie- und Tagungszentrum" (TTZ). Betreiber sind die Stadtwerke Marburg (SWM).
Gegenüber an der Frankfurter Straße lagen die "Kleine Jäger-Kaserne" und weitere Liegenschaften an der Haspelstraße.
Ein größeres Areal hatte die Bundeswehr auf dem Tannenberg genutzt. Ebenso wie in der Jäger-Kaserne residieren auch hier mittelständische Untrnehmensgründungen sowie Studentenwohnheime.
Zum Theater umgerüstet wurde das Offizierskasino am Schwanhof. Im einstigen kino der Kommandeure präsentiert das Hessische Landestheater heute seine Premieren.
Auch das einstige US-Depot nördlich des Hauptbahnhofs beherbergt heute ein Gründerzentrum. Im "Forum Marburg" haben sich hauptsächlich Firmen der IT- und Bio-Branche niedergelassen.
Die Konversion der militärischen Liegenschaften zu friedlichen Nutzungen ist in Marburg fast reibungslos gelungen. Die zuvor grassierende studentische Wohnungsnot wurde dadurch stark gelindert.
Mit dem Abzug der Soldaten sind auch die gefährlichen Grenzen immer weiter weggerückt. Heute wird Deutchland am Hindukusch verteidigt, erklärte Bundesverteidigungsminister Peter struck.
50 Jahre Bundeswehr sind 50 Jahre Auseinandersetzung mit ihr. Gewandelt hat sich die Bundeswehr vor allem in den letzten 15 Jahren. Heute sehen viele in ihr eine Interventionsarmee, die weltweit eingreifen kann.
Die Militärstrategien sind in Marburg immer heftig diskutiert worden. Manche fürchten, dass der designierte Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung die Armee in abenteuerliche Missionen schicken könnte, um transatlantischen "Partnern" entgegenzukommen.
50 Jahre hat die Bundeswehr überdauert. Die Kriege haben in dieser Zeit anderswo stattgefunden. Doch hat sich auch die Art der Konflikte verändert.
Mit dem Terror angeblich "islamistischer" Gruppen steigt auch die Gefahr gewalttätiger Angriffe auf Objekte in Deutschland. Die US-Militärpolitik im Irak hat diese Gruppen eher noch befördert. Da bleibt nur zu hoffen, dass die deutschen Politiker klüger sein werden als ihr "Freudn" George W. Bush im Weißen Haus.
 
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