Text von Dienstag, 1. November 2005
| Weißt Du, wohin: Neue Pässe, neue Möglichkeiten | ||
| Marburg * (fjh)
"Warum denn in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah?" Diese alte Weisheit scheint auch der scheidende Bundesinnenminister Otto Schily ernst zu nehmen. Fernreisenden hat er lange vor dem Ende seiner Amtsperiode noch ein dickes Ei ins Nest gelegt. Seit Dienstag (1. Novmeber) gelten neue Reisepässe mit sogenannten "biometrischen Daten". Mehr als doppelt so teuer wie ihre Vorgänger sind die neuen Dokumente. Deswegen hatte die Stadt Marburg auch alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, rechtzeitig vor der Änderung noch die bisherigen Reisepässe zu beantragen. Die neuen Reisepässe kosten für Erwachsene stolze 59 Euro. Personen bis 26 Jahre zahlen 37,50 Euro. Kernstück der neuen Dokumente ist ein digitales Foto. Nach einem ausgeklügelten System werden die Werte dieses Fotos auf einem Microchip im Reisepass abgespeichert. Dann können Foto und Werte mit der Person verglichen werden, die das Dokument vorzeigt. So sollen Kontrollen sicherer werden. Die Reisenden brauchen dann nur noch in eine Kamera zu schauen. Ein teures Computersystem errechnet die Werte dieser Aufnahme und vergleicht sie mit denen im Pass. Wenn alles funktioniert, dann kann das nach den Vorstellungen der Innenbehörden mehr Sicherheit bei Polizei- und Grenzkontrollen schaffen. Doch genau das bezweifeln Experten: Sie fürchten, dass das System nicht störungsfrei arbeitet. Schon ein Lächeln könnte die Werte so verändern, dass der lächelnde Reisende nicht mehr sicher erkannt wird. Deswegen darf man auf den Passbildern der neuen Papiere auch nicht mehr lächeln. Die Deutschen haben das wohl schon lange geahnt, weil sie schon jetzt lieber jammern als fröhlich dreinschauen. Zudem fürchten Datenschützer, dass die Datenbanken mit den "biometrischen" Angaben der Bürgerinnen und Bürger irgendwann ausspioniert werden könnten. Während aber andere Daten wie beispielsweise Passwörter nach einem Hacker-Angriff verändert werden können, behält jeder seine "Biometrischen Daten" ein Leben lang. 2007 sollen die Bundesbürger dann auch noch zwei Fingerabdrücke in ihre Reisepässe drücken. Auch sie sollen nach dem selben System verschlüsselt und gespeichert werden. Später sollen auch die Personalausweise auf dieses System umgerüstet werden. Dadurch sollen die Papiere nach dem Willen des Bundesinnenministers noch "fälchungssicherer" werden. Möglicherweise eröffnet aber gerade diese neue Technik auch neue Einfallstore für Fälschungen, Datenspionage und Täuschungsmanöver aller Art. Dem Aufruf der Stadt Marburg sollte man deshalb spätestens dann folgen, wenn auch die Personalausweise umgestellt werden: Vorher sollte man noch schnell ein Dokuement herkömmlicher Art besorgen. Ansonsten gilt demnächst wohl auch die Devise: "Bleibe im Lande und nähre Dich redlich!" | ||
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