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Text von Mittwoch, 26. Oktober 2005

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 Versalzene Bäume: Neuer Winterdienst im Südviertel 
 Marburg * (fjh)
Einen Winterdienst ohne Salz möchte die Stadt Marburg im Südviertel ausprobieren. Damit sollen die Straßenbäume vor weiteren Schäden durch zu viel Salz in Boden, Wurzelwerk und Blättern geschützt werden. Das kündigte Bürgermeister Dr. Franz Kahle am Mittwoch (26. Oktober) an.
Mehr als ein Drittel der Bäume an der Frankfurter Straße zeigt deutliche Schäden. Die Ränder der Blätter verfärben sich schon im Frühsommer braun, berichtete Andreas Steih-Winkler vom städtischen Fachdienst Umwelt. Eindeutig könne man diese "Blattrand-Nekrose" auf erhöhten Salzgehalt zurückführen. Der Hauptgrund dafür liege in der Anreicherung von Streusalz.
Im Auftrag der Stadt hat ein Ingenieurbüro die Werte der Straßenbäume im Südviertel gemessen. Bodenproben enthielten dabei in unmittelbarer Umgebung der Straße zehn- bis 25-mal soviel Natrium und Chlorid wie an abseits der Straßen liegenden Stellen des Südviertels. Schon die Baüme in der zweiten Reihe waren deutlich weniger belastet als die direkt am Straßenrand.
Unmittelbar an der Frankfurter Straße beträgt der Chlorid-Gehalt des Bodens 31.149 Milligramm pro Kilo. Bei Natrium wurden dort 2.647 Milligramm je Kilo gemessen. An der Universitätsstraße liegt der Chlorid-Wert bei 12.370 Milligramm pro Kilo. Dort wurden 4.018 Milligramm Natrium je Kilogramm Erde gemessen. Die Normalgehalte liegen bei Chlorid im Südviertel zwischen 500 bis höchstens 2.000 Milligramm. Bei Natrium beträgt der Wert zwischen 100 und 400 Milligramm pro Kilogramm.
Rund 5.000 Straßenbäume gibt es im Marburger Stadtgebiet. Der städtische Baumschutzbeauftrragte Dieter Happel hat beobachtet, dass Ahorn, Buchen und Linden besonders stark unter der Versalzung der Böden leiden. Rund 40 Prozent der Marburger Alleebäume sind aber Ahornbäume, Buchen oder Linden.
Die im August nach Hinweisen aus der Bevölkerung erhobenen Daten zur Belastung der Alleebäume sind das Ergebnis jahrzehntelanger Streutätigkeit. In den letzten fünf bis sechs Jahren hat der städtische Winterdienst die Menge des gestreuten Salzes aber bereits um runde 40 Prozent verringert, berichtete Jürgen Wiegand vom Dienstleistungsbetrieb der Stadt Marburg (DBM). Erreicht habe man das durch den Einsatz von Flüssigsalzen, die schon bei geringem Salzgehalt eine ausreichende Sicherheit der gestreuten Straßen erreichen.
Probeweise will der DBM im Südviertel zwischen der Lahn und dem Straßenzug Universitätsstraße/Schwanallee einen Winter lang auf jeglichen Salzeintrag verzichten. Im Mai hatte das Stadtparlament dies Versuch beschlossen. Wiegand sieht darin einen guten Kompromiss zwischen der Verkehrssicherheitspflicht und dem Umweltschutz.
Kahle forderte die Anwohner auf, dem Beispiel des DBM zu folgen. Häufig seien es Hausbesitzer oder Hausmeister-Services, die Salz sehr großzügig auf den Boden ausbrächten.
Außerdem forderte der Bürgrmeister die Bevölkerung auf, sich der jeweils herrschenden Witterung anzupassen. Man solle nicht im Winter auf glatten Ledersohlen hinausgehen, riet er.
Autofahrer, die im Winter weiterhin mit Sommerreifen unterwegs sind, können damit nicht nur die Haftung der Reifen auf der Straße verlieren. Auch die Haftung der Versicherung bei einem Unfall kann damit nach geltender Rechtsprechung verlorengehen.
Auch die Bürger seien nicht verpflichtet, die Fußwege vor ihren Häusern mit Salz zu streuen, bemerkte Steih-Winkler. Ihre Verkehrssicherheitspflicht kommen sie genauso gut nach wenn sie statt des Salzes Splitt, Sand oder Steingranolate streuen.
Wiegand wies auf die gelben Kisten hin, die der DBM überall im Stadtgebiet aufgestellt hat. Sie enthalten salzfreies Streumaterial. Jeder Bürger könne sich dort kostenlos bedienen, bot der DBM-Geschäftsführer an. Eine Liste der Standorte dieser Streugutkisten liege in den Verwaltungsstellen der Stadt Marburg aus.
 
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