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Text von Mittwoch, 1. Dezember 2004

> p o l i t i k<
 
 

 Keine Verharmlosung: Mahnwache zu Verbrechen der SS 
 Marburg * (vom)
Eine Mahnwache gegen die Verharmlosung des Faschismus haben Mitglieder der Humanistischen Union (HU) am Montag (1. August) auf dem Schuhmarkt abgehalten. Ein knappes Dutzend HU-Mitglieder sowie Marburger Bürger protestierte damit gegen das BGH-Urteil von Donnerstag (28. Juli).
Der Bundesgerichtshof hatte die Parole "Ruhm und Ehre der Waffen-SS" als nicht strafwürdig eingestuft. Die Mahnwache fand vor dem "Kilian" statt. Das Gebäude, das früher eine Kirche war, nutzte die Geheime Staatspolizei (GeStaPo) während der Nazi-Herrschaft als Dienststelle. In ihr wurden "Staatsfeinde" verhört und gefoltert.
"Ruhm und Ehre der Waffen-SS? Ist massenhafter Mord ruhmhaft und ehrenvoll?" stand auf einem Plakat. Zahlreiche Passanten blieben stehen und lasen das Plakat aufmerksam. "Es geht hier nicht um Gerichtsschelte, sondern darum, dass die Reichweite des Urteils in seiner Wirkung nicht ausreichend bedacht wurde", meinte der Marburger HU-Vorsitzende Franz-Josef-Hanke.
"Rechte Gruppierungen könnten das Urteil als eine Bestätigung ihrer Ideologie ansehen. Wir wollen hier keinen lautstarke Proteste anzetteln, sondern Nachdenklichkeit hervorrufen." Er stehe hier stellvertretend für alle demokratisch gesinnten Bürger, erklärte Hanke: "Ich gehe davon aus, dass auch die breite Bevölkerung, wenn man sie befragt, das Urteil als empörend ablehnt."
Opfer des Nazi-Regimes müssten dieses Urteil als Schlag ins Gesicht empfinden. Die Menschenwürde verbiete ein solches Urteil, meinte Hanke.
"Die Waffen-SS war nicht nur in Italien und auf dem Balkan, sondern auch in Frankreich und sogar in Deutschland an zahlreichen Verbrechen beteiligt", ergänzte Dr. Ulrich Brosa. Der Bürgerrechtler engagiert sich seit Jahren gegen neofaschistische Umtriebe in seiner Heimatstadt Amöhneburg: "Ich sehe das Urteil mit großer Beunruhigung."
Auch unter Jugendlichen werden rechte Parolen immer schicker und häufig als "cool" angesehen. Naziparolen werden vor allem über Musik an die Jugendlichen transportiert, berichtete Brosa. Während der einstündigen Mahnwache kam mehrfach eine Gruppe Jugendlicher vorüber, von denen zwei neofaschistsiche Symbole auf ihrer Kleidung trugen.
Neugierig und häufig auch nachdenklich beäugten die meisten Vorübergehenden das Plakat. Zu hoffen bleibt, dass es sie tatsächlich zum Nachdenken anregt hat.
 
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