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Text von Samstag, 11. Juni 2005

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 Begrenzte Autonomie: Ausstellung über Chiapas 
 Marburg * (mid)
"Wir wollen eine Welt, in die viele Welten passen" ist der Titel einer Ausstellung, die am Freitag (10. Juni) im Marburger Weltladen eröffnet wurde. Eine neue Jugendgruppe der Initiative Solidarische Welt hat sie in Eigenregie gestaltet.
Die Ausstellung zeigt Bilder aus den autonomen Gebieten in Chiapas. In dem mexikanischen Bundesstaat war 1994 ein Aufstand der unterdrückten indigenen Bevölkerung gegen die Regierung ausgebrochen. Seitdem arbeiten die aufständischen "Zapatisten" am Aufbau autonomer Strukturen in sämtlichen Bereichen des öffentlichen Lebens.
In fünf sogenannten "Caracoles" werden solche Strukturen verwaltet und weiterentwickelt. Diese Aufgabe wird dort stellvertretend durch die sogenannte "Regierungen der guten Räte" wahrgenommen. Sie bestehen aus basisdemokratisch gewählten Abgesandten der umliegenden Gebiete. Nach ungefähr zwei Wochen werden die Delegierten regelmäßig ausgetauscht.
Stefan G. hat die gezeigten Fotos während seiner Aufenthalte in Chiapas aufgenommen und dem Weltladen zur Verfügung gestellt. In einer kurzen Einführung berichtete er von seiner Arbeit als Friedensbeobachter in zwei Dörfern. Die internationale Beobachtung war notwendig geworden, nachdem immer mehr Überfälle von Militär und Paramilitär auf zapatistische Gemeinden verübt wurden.
Nach Einschätzung des Referenten zeigt die Strategie Erfolg. Tatsächlich sei es noch niemals vorgekommen, dass ein Dorf überfallen worden sei, in dem sich europäische oder US-amerikanische Beobachter aufgehalten haben. Einen solchen Vorfall könne sich die mexikanische Regierung, die sehr um ihr internationales Ansehen bemüht sei, nicht leisten.
Der Fotograf berichtete aber auch von den Konflikten, die innerhalb der indigenen Gemeinschaften selbst auftreten. So spaltete sich in einem Dorf, in dem er selbst eine Zeit lang gelebt hat, die Bevölkerung in Anhänger und Gegner der zapatistischen Bewegung auf. Strikte Ausgrenzung sei häufig die Folge. Gegner der zapatistischen Bewegung hätten im konkreten Fall den Zapatisten den Zugang zu Wasservorräten, Kirche und Grundschule verwehrt.
"Der Riss geht teilweise mitten durch die Familien", berichtete der Beobachter.
Trotz dieser Schwierigkeiten ist es beeindruckend, welche Ergebnisse bei der Schaffung autonomer Strukturen bereits erzielt worden sind. Die Ausstellung zeigt unter anderem Bilder von Bildungseinrichtungen, Werkstätten und einer Klinik. Interessierte können sie noch bis zum 10. Juli besuchen.
 
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