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Text von Sonntag, 16. Januar 2005

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 Ruanda: Zurück ins Leben 
 Marburg * (atn)
Etwa zehn Jahre sind seit dem Völkermord in dem kleinen zentralafrikanischen Land Ruanda vergangen. In nur 100 Tagen wurden in dem Staat, der etwa so groß ist wie Hessen, 800.000 Menschen brutal ermordet. Hunderttausende flüchteten in die Nachbarländer. All das geschah vor den Augen der Welt.
Zu diesem Thema ist nun eine Fotoausstellung mit Bildern von Thomas Lohnes im Hans-von-Soden-Haus an der Rudolf-Bultmann-Straße zu sehen. Sie zeigt die Wunden, die das Massaker bei den Überlebenden An Leib und Seele hinterlassen hat.
Auf 80 Photos aus den Jahren 2000 und 2003 hat der Fotograf die Geschichten von Opfern und Tätern festgehalten. Seine Bilder erzählen von Menschen, die ihr Leben im Vertrauen auf Gott und die Gerechtigkeit wieder neu beginnen. Sie handeln vom Gedenken und der Aufarbeitung. Sie zeigen das Ringen um Wahrheit bei den Dorfgerichten oder das Warten der rund 800 Beschuldigten auf ihren Prozess.
Lohnes besuchte verschiedene Projekte des Lutherischen Weltbundes, von Brot für die Welt und von der Diakonie Katastrophenhilfe. Texte und Kurzreportagen von Regina Karasch und Rainer Lang erläutern die dabei entstandenen Fotos und geben Einblicke in die Bemühungen um Versöhnung und Wiederansiedlung der Rückkehrer. Auch auf das Problem der zahlreichen obdach- und brotlosen Waisenkinder und die Immunschwäche-Krankheit AIDS, mit der Ruanda zu kämpfen hat, wird aufmerksam gemacht.
Wie es zu dem Völkermord kam, wird dem Betrachter aber nicht nähergebracht. Er wird mit den Schrecken des Geschehenen konfrontiert, ohne zu verstehen, welche Entwicklungen und Hintergründe Menschen zu einem solchen Morden treiben.
Die Ausstellung ist daher entweder für Menschen konzipiert, die sich bereits mit dem Thema beschäftigt haben, oder aber, was sehr wünschenswert wäre, für Menschen, in denen die Bilder Interesse wecken für die leider sehr unbekannte und oft dunkle Geschichte des Staates Ruanda.
An der Konzeption der Ausstellung haben das Deutsche Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes (LWB), Brot für die Welt, die Diakonie Katastrophenhilfe, der Evangelische Pressedienst (epd) und Action by Churches Together (ATC) gemeinsam mitgearbeitet. Sie wurde mit Texten in Kinyarwanda - einer ostafrikanischen Bantu-Sprache - und Französisch während der 100 Tage des Völkermord-Gedenkens als Wanderausstellung in den Provinzhauptstädten Ruandas gezeigt. Die Bilder waren seit April 2004 in Leipzig, Berlin und Stuttgart zu sehen. Neben Marburg werden sie unter anderem auch in Bremen, Gera und München gezeigt. Im Haus der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) ist die Ausstellung noch bis zum Mittwoch (9. Februar) kostenlos zu sehen.
 
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