Sie sind hier: marburgnews >
Heute ist Donnerstag, 11. Juni 2026

Text von Dienstag, 6. Dezember 2005

> k u l t u r<
  
 Kabarett-Legende: Hüsch, hüsch ins Körbchen! 
 Marburg * (fjh)
Hanns-Dieter Hüsch ist tot. Fast wären es genau fünf Jahre her, dass der Altmeister des literarischen kabaretts zuletzt in Marburg gastierte. Hier hatte sein Publikum ihn zuletzt am 9. Dezember 2000 bewundern dürfen. Seit Dienstag (6. Dezember) hat Hüsch seinen Humor nun in den Himmel verlagert.
Er war ein sensibler und großzügiger Humanist. Und er war ein überzeugter Christ. So konnte es in den letzten Jahren auch vorkommen, dass er die Kleinkunstbühne mit der Kanzel in der Kirche vertrauschte und predigte.
Schwer von Krebs gezeichnet, stand Hüsch vor fünf Jahren in Marburg auf der Bühne. Sein Markenzeichen waren dabei nicht billige Gags, sondern die alltäglichen kleinen Dinge. Er beherrschte vor allem die Zwischentöne.
Nicht die Hektik der modernen Zeit, sondern das nachdenkliche Innehalten war sein Ziel. Vor allem dazu wollte Hüsch sein Publikum anregen. Bei alledem wollte er es aber auch gut unterhalten.
Mehr als 40 Jahre lang stand er auf der Bühne. 70 Programme sind im Laufe der Jahrzehnte entstanden.
Hüsch brillierte mit Stücken über die Menschen am Niederrhein. Von dort stammte der Sohn eines preußischen Beamten.Mit einer seltenen erblichen Behinderung kam Hanns-Dieter 1925 zur Welt: Seine Füße waren genau 180 Grad entgegen der normalerweise üblichen Richtung angewachsen. Lange tat er das als "Klumpfuß" oder "Hammerzeh" ab. Erst in den 80er Jahren gelang es ihm, auch öffentlich zu seiner Behinderung zu stehen.
Gelebt hat der philosophische Kabarettist vom Niederrhein denn größten Teil seines Lebens in Mainz. Hier produzierte er auch seine legendären Kommentare zu "Väter der Klamotte". Den Figuren verlieh er witzige Namen, die dem Slapstick mitunter noch rechten Tiefgang verpassten. Wachtmeister Eckensteher wartete da auf den "bekannten Jungfilmer Hiob Tonlos". Derweil flimmerten alte Stummfilme über die Mattscheibe.
Unvergessen gerade an seinem Todestag bleibt auch sein "Begräbniskaffee". Da fragt er, ob der verstorbene Onkel nicht noch etwas Brauchbares hinterlassen hat: "Er hatte doch noch drei Paar Schuhe?"
Mit "seiner Frieda" war Hüsch in den späten 60er und frühen 70er Jahren ins Kino gegangen. An der Garderobe wartete er auf die Geschwister schell: "Maximilian und Super-Maximilian".
Später erfand er die Kunstfigur des "Hagenbuch", den er immer in der indirekten rede zitierte. Hagenbuch solle gesagt haben, dass ...
Menschenliebe und das Vertrauen in das Gute haben Hüsch geprägt. Er war ein tiefschürfender und zugleich doch humorvoller Mensch mit Niveau.
"Kinder, Küche und Kirchhof" waren seine Themen. Er war sich sicher, dass Humoristen wie er auch im Himmel gebraucht werden. das habe ihm "der liebe Gott" persönlich verraten.
Die Zurückgebliebenen werden ihn hier aber nicht vergessen. Denn Menschen wie ihn gibt es heutzutage leider nicht mehr viele. Sein warmherziger Humor indes wird bleiben. Und der währt nicht nur 1.30, sondern ganze neun Minuten!
 
 Ihr Kommentar 


Kultur-Archiv






© 2005 by fjh-Journalistenbüro, D-35037 Marburg