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Text von Sonntag, 4. Dezember 2005

> k u l t u r<
  
 Advent, ach rennt: Herzen hoffen, dass Läden offen sind 
 Marburg * (fjh)
Der Advent hat den Straßen der Innenstadt zu weihnachtlichem Schmuck verholfen. Um die Elisabethkirche und vor dem Rathaus sind Weihnachtsmärkte aufgebaut. Das Rathaus selbst ist auch dieses Jahr wieder in einen Adventskalender verwandelt worden.
Das lateinische Wort "Advent" steht für die Ankunft. Die "Ankunft des Herrn" erwarten die Christen in freudiger Erregung. Die meisten Menschen aber geilen sich in dieser Zeit eher am Kommerz auf.
Um dem Kaufrausch Tür und Tor zu öffnen, hatten am 1. Advent auch in marburg sonntags die Geschäfte geöffnet. Schon seit Oktober liegen Lebkuchen und Dominosteine in den Regalen der Geschäfte. Die Erwartung zumindestens der Geschäftsleute richtet sich in dieser Zeit sicherlich mehr auf ihren Umsatz als auf "die Ankunft des Herrn".
Die Ankunft einer Frau haben ihre Freunde am Freitag (25. November) im Irak vergeblich erwartet. Susanne Osthoff wurde in der Nähe von Mossul verschleppt. Bislang hat die Bundesregierung eigenen Angaben zufolge keinen kontakt mit den Entführern der deutschen Archäologin.
Mutig und unbeirrbar hatte die 43-jährige Bayerin sich in den letzten Jahren für die Menschen im Irak eingesetzt. Selbst zu Kriegszeiten steuerte sie Hilfstransporte in das Land hinein.
Leichtsinnig war sie dabei jedoch nicht. Die Ehefrau eines Syrers beherrscht mehrere Dialekte und die Landessprache fließend. Zudem verfügt sie über beste persönliche Kontakte zu verschiedenen einflussreichen Clans im Irak.
Für ihre Rückkehr haben am Samstag (3. Dezember) Muslime in mehreren deutschen städten demonstriert. In einem gemeinsamen Appell in der Bild-Zeitung haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, der jüdische Zentralratsvorsitzende Paul Spiegel und zahlreiche Vertreter islamischer Organisationen in Deutschladn die Freilassung der beherzten Frau gefordert.
Den Advent als Zeit der Besinnung zu nutzen, war die ursprüngliche Bedeutung der vier Wochen vor dem Weihnachtsfest. Grund genug hätten die Menschen in Deutschland dafür.
Doch die meisten rennen bsinnungslos von Kaufhaus zu Kaufhaus und von Kaufrausch zu Kaufrausch. Die Kaufleute machen die Sonntage zu Messen des Mammons und wundern sich dann, dass ihre Umsätze trotz längerer Ladenzeiten nicht wesentlich steigen.
Woher aber sollen die Menschen das Geld nehmen, das sie da ausgeben sollen? Den Beziehern des Arbeitslosengeldes II (ALG II) soll ihr kärgliches Einkommen im kommenden Jahr nicht erhöht werden. Derweil steigen die Preise munter an.
"Lasst uns froh und munter sein!", fordert ein Lied zum Martinstag. Auch zum Nikolaustag am Dienstag (6. Dezember) wird diese Zeile wieder gesungen. "Froh und munter" sind die Deutschen indes kaum noch.
Wie sollten sie auch? Wer nur in Kaufhäusern und Boutiquen nach sich selber sucht, der kann dort nur frustrierende oder erschreckende Erfahrungen machen. Auch die elegantesten und teuersten Klamotten können innere Leere nur notdürftig umhüllen.
Wer sich aber für andere engagiert - und sei es mit seinem Leben wie Susanne Osthoff - der braucht eigentlich kein Weihnachtsfest mehr. Denn für ihn wäre dieser Tag des Schenkens und Beschenkt-Werdens einer wie jeder andere. Doch für uns bleibt es bei dem altbekannten Motto der Adventszeit. "Macht hoch die Tür, die Tor macht eit!"
 
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